... und die Rolle der Alliierten ab 1919

Die Demokratie in Deutschland wurde von den Siegern, von den Besatzern diktiert. Deutschland hoffte dabei auf die USA und ihren Präsidenten Wilson. Dieser legte am 8. Januar 1918 dem amerikanischen Kongress ein 14-Punkte-Programm vor, das einen für alle Parteien annehmbaren Friedensschluss vorsah. Dazu gehörten die Forderungen nach einem Selbstbestimmungsrecht der Völker. Anschließend setzten die USA keinen Schwerpunkt auf die Umsetzung im Nachkriegs-Deutschland, sondern gaben die weitere Entwicklung in die Hände der Franzosen.

Die Franzosen hatten Angst vor einem Wiedererstarken Deutschlands mitten in Europa. Dies zeigte sich sowohl in ihrer Haltung zu den Reparationszahlungen, als auch im Verhalten zum Nachbarn im rechtsrheinischen Raum. Zur Politik der Besatzer gehörte es, ihre Kontrollarbeit sprachlich zu vereinfachen: Französisch wurde erste Amtssprache im besetzten Gebiet. So veröffentlichte der Landrat von Dinslaken von da an zweisprachig.

Die Forderung nach einer Auslieferung des ehemaligen deutschen Kaisers aus dem Exil in Holland stand immer wieder in den Schlagzeilen der Presse, wurde aber weder forciert noch dementiert. Der Verlust des Kaiserreichs und des Kaisers war zusätzlich ein Stachel im Bewusstsein vieler Deutscher. Die Demokratie in den 1920-er Jahren war dagegen noch schwach im Bewusstsein der Menschen verankert.

Quelle: alle Hamborner Volkszeitung (HVZ; im Stadtarchiv Dinslaken einsehbar)

 

Letzte Nachrichten. Sie halten sich an die Bedingungen des Friedensvertrages.

hf b 01Berlin, 9. Januar 1920

 

Amerika will nicht mittun?

hf b 02Paris, 10. Januar 1920

 

Ablieferung von Pferden auf Grund des Friedensvertrages

hf b 03HVZ vom 17.01.1920

 

Wilhelm II. und seine Auslieferung

hf b 04Bonn, 25. Januar 1920

 


# Französische „Kohlennote“ als Auslöser für eine Revision des Versailler Vertrags?

Der Vertrag mit den Siegermächten sah vor, dass bei unzureichender Belieferung von Kohle Deutschland rechtsrheinisch teilweise besetzt werden durfte. Damit war ein schwerer Konflikt vorprogrammiert, denn Kohle war ein schwer erarbeitetes Gut und die deutsche Bevölkerung brauchte selbst Kohle zum Heizen. Im Februar 1920 bestrafte die französische Regierung mit der sogenannten „Kohlennote“ den „absichtlich“ mangelhaften Vollzug der Reparationskohlenlieferungen mit einer ersten Sanktion nach Inkrafttreten des Versailler Vertrags. Sie setzte die Fristen für die Räumung der besetzten Gebiete aus und drohten weitere Zwangs- und Vergeltungsmaßnahmen an. Die Reichskanzlei nahm dies zum Anlass, die bisher unterdrückte Diskussion über eine Revision des Versailler Vertrags anzudeuten. Damit verbunden waren zu Jahresbeginn 1920, wenige Wochen nach dem Friedensschluss, zahlreiche Fragen: Wandelte sich vielleicht die Ansicht einzelner alliierter Mächte zur Reparationsfrage? Wie war das Verhältnis der europäischen Mächte zu Russland einzuschätzen? Und schließlich: Wollte Frankreich auch noch Deutschlands letztes Kohlerevier? Denn Elsass-Lothringen und Schlesien waren bereits zwangsweise abgetreten.

Die deutsche Militärverwaltung reagierte auf die Kohlepreiserhöhung zum 1. Februar mit einer Anweisung an den Bergbau zur Erbringung von Überstunden. Dies erfolgte gemäß Verfügung des Reichsarbeitsministers und den Tarifbestimmungen vom 2. Februar 1920.

Den Überlegungen, den Mitgliedern der Entente Vorschläge zur Festlegung einer endgültigen Reparationssumme zu unterbreiten, sollte das Kabinett durch die politischen Unruhen des Kapp-Lüttwitz-Putsches unfreiwillig enthoben werden.

Für weitere Informationen siehe: https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/11a/bau/bau1p/kap1_1/para2_7.html

 

Frankreich fordert mehr Kohlen

hf b 05Berlin, 11. Februar 1920. Frankreich bemängelt die Höhe der Kohle-Reparationen.

 


# Die Lage Deutschlands unter alliierter Besatzung

Münster (Lager), 13. Februar 1920. 1040 Heimkehrende aus Frankreich sind eingetroffen und
werden ab 16. Februar in die engere Heimat transportiert.

London, 14. Februar 1920. Nach seiner Abdankung ging Kaiser Wilhelm II. 1918 zunächst ins belgische Spa, von dort ins Exil in die Niederlande. Die niederländische Königin Wilhelmina gewährte ihm Asyl und lehnte die Auslieferung an die Entente-Mächte ab. Trotzdem wird seine Auslieferung immer wieder gefordert. „Im Interesse Hollands“ und des Friedens von Europa sei es wichtig, dass dem Kaiser nicht erlaubt werde „in seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort zu bleiben“.
Wilhelm starb 1941 in Doorn, Niederlande.

Berlin, 17. Februar 1920. Auslieferung angeklagter Deutscher. Der englische Geschäftsträger überreichte eine Note der Entente zur Auslieferung angeklagter Deutscher laut Friedensvertrag. Die französische halbamtliche Agentur Havas stellt schwerwiegende Folgen wirtschaftlicher und politischer Natur in Aussicht.

Paris, 17. Februar 1920. Der Jurist Alexandre Etienne Millerand, Begründer einer reformsozialistischen Partei, war von 1920 bis 1924 französischer Staatspräsident. Er erklärt nach den Verhandlungen um das Auslieferungsbegehren 1920, dass Deutschland die Beschuldigten vor seinen eigenen Gerichten erscheinen lassen will. Die Alliierten werden über den guten Willen urteilen und im negativen Fall die erforderlichen Maßnahmen in Erwägung ziehen.

 

Frankreich hält Kriegsgefangene zurück

hf b 06Koblenz, 7.März 1920. In den besetzten Gebieten verhaftete Kriegsverbrecher sollten nicht nach Frankreich gebracht werden. Frankreich hielt 900 Kriegsgefangene zurück, bis ihre Prozesse abgeschlossen sind.

 


# Die Alliierten zum Kapp-Putsch im Spiegel der Presse

Positionierung der Entente zu einem möglichen Reichswehreinsatz?
Die Entente Mächte beobachteten die Vorgänge in Deutschland sehr genau. Die Stellungnahmen dazu erschienen zum Teil auch in den deutschen Tageszeitungen.
Nach dem Kapp-Putsch wurde in den Unterlagen von Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp entdeckt, dass er bereits 1919 nachfragen ließ, wie sich die Entente-Mächte verhalten würden, wenn in einem Putsch die Reichswehr eingesetzt würde.
Die Antworten fielen in England und in Frankreich gegensätzlich aus. Der britische Hohe Kommissar, Lord Kilmarnock, gab eine scharfe Absage: keine Monarchie, keine Räterepublik. Frankreich machte eine Reaktion abhängig vom Grund des Einsatzes, war eher pragmatisch, wenn es um Eigeninteressen und die Gefahr aus dem Westen ging. Frankreich verfolgte noch die Idee der Rheinland-Republiken unter französischer Führung. Es gab auch eine inoffizielle Antwort über die militärischen Kanäle zum Reichswehreinsatz. Demnach wäre ein Putsch tolerierbar, wenn es um Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung ging, ein klares Nein gab es jedoch zu militaristischen Eigeninteressen der Reichswehr.

 

 Literatur-Tipp

Eliasberg, George (1974), Kapitel 16 - Die Haltung der Entente (hier S. 213/21) in: Der Ruhrkrieg von 1920, Schriftenreihe der Friedrich Ebert Stiftung, Bd. 100

 

Ein Ultimatum der Alliierten?

hf b 07Leipzig, 13. März 1920. Der französischer General Foch, der Oberkommandierende der Entente, droht der Kapp-Regierung mit dem Einmarsch der Franzosen, falls sie nicht sofort zurücktritt.

 

Stimmen aus Holland

hf b 08Amsterdam, 13. März 1920. Das Allgemeen Handelsblatt schreibt zur Umwälzung in Deutschland, es sei von gewaltiger Bedeutung und befürchtet einen Bürgerkrieg in Deutschland.

 

Mißtrauen in Holland

hf b 09Amsterdam, 13. März 1920. Die niederländische Presse sieht die Vorkommnisse für Deutschland als großem Unglück. Im Haag steht man der neuen Regierung mit Misstrauen gegenüber.

 

Die Überraschung in England

hf b 10London, 15. März 1920. London hat den Rechtsputsch bereits vor einem halben Jahr vorausgesehen. Die führenden Vertreter der Ministerien „seien stets eingefleischte Militaristen“ gewesen.

 

Das Ausland. Der Rat der Alliierten

hf b 11Amsterdam, 16. März 1920. Die britische Regierung sieht mit Besorgnis die Unruhen in Deutschland und verfolgt jede Bewegung der monarchistischen oder militärischen Reaktion sorgfältig. In Breslau, Hamburg, Kiel, Leipzig und Chemnitz finden Kämpfe statt, in 35 Städten verübt das Militär Handstreiche.

 

Die Ententevertreter zu Kapps Sturz

hf b 12Berlin, 19. März 1920: Die drei Entente-Geschäftsträger informieren den Vizekanzler Schiffer über ihre Sicht zur Beendigung der Krise durch den Kapp-Putsch. Man hofft, dass die durch die Fortdauer des Generalstreiks hervorgerufene Krise zu Gunsten des demokratischene Gedankens baldig überwunden werde. Denn was Deutschland Not tue, seien Ordnung und Sicherheit. Die Gewähr von Lebensmitteln sei laut dem englischen Geschäftsträger nur möglich, wenn im Inneren Deutschlands verfassungsmäßige Zustände herrschen.

 


# Deutsche Offiziere vor französischem Gericht

hf b 13Straßburg, 20. März 1920: Vier deutsche Offizier werden zu 10 bis 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie während des Krieges Möbel und Kunstgegenstände aus dem Schloß in Metz entwendet und nach Deutschland geschafft haben.

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