Sozialistisch, demokratisch oder wieder nationalistisch?

Die Demokratie war von den Siegern diktiert. Aber wie sollte sie aussehen? Wer konnte Beispiel für die Nachfolge des deutschen Kaiserreichs sein? Der Reichstag als Sitz des Parlaments war bereits im Kaiserreich verächtlich als „Quasselbude“ diskriminiert. Es galt des Kaisers Wort.

Nach Kriegsende war es das Ziel, eine demokratische Republik mit einem Parlament zu gestalten, in den Köpfen der Menschen war Demokratie jedoch ein Fremdwort. Im parlamentarischen Alltag mussten die Entscheidungen demokratisch im Mehrheitsbeschluss und oft genug als Kompromiss gefasst werden. Allen gemeinsam war, dass das Wie? und Wohin? nicht klar war, Mehrheiten nicht sichtbar.

Mit zwei Proklamation binnen 2 Stunden (Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht) kam es am 9. November 1918 zum nichtlösbaren Konflikt über Jahrzehnte, da eine politische tragfähige Mehrheit nicht zu bilden war. Die Polarität hieß Sozialistisch oder National-Traditionell.

Dies war im Kern das Dilemma, das die Weimarer Republik für 14 Jahre durchlaufen musste, bis sie durch Unterwanderung und Beihilfe durch die Notstandsgesetzgebung aufgelöst wurde. Aus dieser „Quasselbude“ wurde nach 1949 ein funktionierendes Parlament mit dem Vorteil von zwei großen Parteien.

 

# Das neue Wahlrecht in der Demokratie

Mann und Frau - bei Wahlen sind jetzt alle gleichberechtigt & wahlberechtigt

Mit der Abwahl des 3 Klassen-Wahlrechts ab November 1918 und der Gleichberechtigung von Mann und Frau vor dem (Wahl-) Gesetz kam es zu deutlichen Änderungen: Die Wahlbeteiligung zu Reichstagswahlen im Frühjahr 1919 brachte 9% Frauen in den Reichstag.

Frauen im Stadtparlament von Dinslaken seit 1919

In Dinslaken brachten die Kommunalwahlen vom März 1919 mit 30 Stadtverordneten auch eine Frau in das Parlament: Emilie Krause aus Lohberg, parteilos. Zur Wahl waren mehrere Listen aufgestellt und viele Stadtverordnete stellten sich wieder zur Wahl. Mit der Eingemeindung von Hiesfeld 1917 wurden die Wahlbezirke für ganz Dinslaken geändert.

Die Ansiedlung der Zeche Lohberg und der Bau der neuen Gartenstadt ändert die Zusammensetzung der Bürger und ihre politische Ausrichtung im Stadtgebiet. In Lohberg war die KPD stark vertreten und politisch aktiv. Der Ausbau der Kohleförderung (u.a. ein neuer Förderturm in 1920) führte zur Prosperität der Stadt, aber mit den Arbeitern auch zu neuen politischen Verhältnissen.

Die Arbeitervertreter wurden im Stadtparlament präsent. Die Lohberger Liste VIII mit der KPD zeigt sieben Kandidaten, darunter auch die parteilose Frau Krause. Die Liste VIII zieht im März 1919 mit sieben Verordneten in das Dinslakener Parlament ein.


Vergleich Kommunalwahlen 1913 und 1919

Vergleicht man die Dinslakener Wahlunterlagen von 1913 im Kaiserreich mit denen der jungen Demokratie von 1919, dann zeigt sich die Abschaffung des 3-Klassenwahlrechts deutlich. Allein die Zahl der Wahlberechtigten hat sich auf 6069 gültige Stimmen erhöht.

Neues Wahlrecht für Frauen



# Streikrecht in Deutschland


Mit der Ablösung des Kaiserreichs im November 1918 wurde der Streik akzeptiert, unterzeichnet von der "Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands" und im Reichsanzeiger veröffentlicht. Die Gewerkschaften wurden Ende 1918 als "berufene Vertreter der Arbeiterschaft" anerkannt und das uneingeschränkte Koalitionsrecht, Arbeiterausschüsse, Schlichtungswesen und Kollektivverträge zur Regelung der Arbeitsbeziehungen garantiert. Ebenso wurde der Achtstundentag akzeptiert.

Der Streik war in der Weimarer Republik das wichtigste Kampfinstrument der Arbeiterschaft im Ringen um erträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen, seit etwa 1918 zudem Ausdruck politischer Ziele. Auch hinter „klassischen" Streikforderungen konnte sich die Verteidigung der sozialen Errungenschaften und damit ein "politischer" Grund verbergen. Die Grenzen waren fließend.

Für Bayern ergab sich vor 1914 für den Zeitraum ab 1889 der absolute Höchststand der Arbeitseinstellungen. Der folgende Text beleuchtet das Thema Streik auf einer Online-Plattform aus Bayern, das Streikverhalten dort angerissen:

Sie „fanden Widerhall in der Presse und beschäftigten Ordnungsmacht, Behörden und Regierungen. Eine sich schnell ändernde Wirtschaftsstruktur sowie neue Organisationsformen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern verschärften und erweiterten seit 1918 erheblich die Auswirkungen eines Streiks auf Industrie, Gewerbe, Bevölkerung und Politik.“ … Im Dezember 1923 trat reichsweit die Verordnung über die staatliche Zwangsschlichtung in Kraft.“

Quelle: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Streiks_(Erster_Weltkrieg_und_Weimarer_Republik)

Die Diskrepanz von Recht und Realität zeigt ein Rundschreiben des Zechenverbandes vom 29.1.1920:hf c richtlinien

Quelle: Abelshauser, Werner; Himmelsbach, Ralf (1988): Revolution in Rheinland und Westfalen Quellen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Politik 1918-1923; Seite 94; ISBN 3-88474-129-2

 

#Französische „Kohlennote“ als Auslöser für eine Revision des Versailler Vertrags?

Der Vertrag mit den Siegermächten sah vor, dass bei unzureichender Belieferung von Kohle Deutschland rechtsrheinisch teilweise besetzt werden durfte. Damit war ein schwerer Konflikt vorprogrammiert, denn Kohle war ein schwer erarbeitetes Gut und die deutsche Bevölkerung brauchte selbst Kohle zum Heizen. Im Februar 1920 bestrafte die französische Regierung mit der sogenannten „Kohlennote“ den „absichtlich“ mangelhaften Vollzug der Reparationskohlenlieferungen mit einer ersten Sanktion nach Inkrafttreten des Versailler Vertrags. Sie setzte die Fristen für die Räumung der besetzten Gebiete aus und drohten weitere Zwangs- und Vergeltungsmaßnahmen an. Die Reichskanzlei nahm dies zum Anlass, die bisher unterdrückte Diskussion über eine Revision des Versailler Vertrags anzudeuten. Damit verbunden waren zu Jahresbeginn 1920, wenige Wochen nach dem Friedensschluss, zahlreiche Fragen: Wandelte sich vielleicht die Ansicht einzelner alliierter Mächte zur Reparationsfrage? Wie war das Verhältnis der europäischen Mächte zu Russland einzuschätzen? Und schließlich: Wollte Frankreich auch noch Deutschlands letztes Kohlerevier? Denn Elsass-Lothringen und Schlesien waren bereits zwangsweise abgetreten.

Die deutsche Militärverwaltung reagierte auf die Kohlepreiserhöhung zum 1. Februar mit einer Anweisung an den Bergbau zur Erbringung von Überstunden. Dies erfolgte gemäß Verfügung des Reichsarbeitsministers und den Tarifbestimmungen vom 2. Februar 1920.

Den Überlegungen, den Mitgliedern der Entente Vorschläge zur Festlegung einer endgültigen Reparationssumme zu unterbreiten, sollte das Kabinett durch die politischen Unruhen des Kapp-Lüttwitz-Putsches unfreiwillig enthoben werden.

Für weitere Informationen siehe:
https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/11a/bau/bau1p/kap1_1/para2_7.html


hf c frankreich kohleBerlin, 11. Februar 1920. Frankreich bemängelt die Höhe der Kohle-Reparationen.

hf c ueberstunden ankuendigungMünster, 1. Februar 1920. Das Wehrkreiskommando Münster, die militärische Führung also, weist im Ruhrgebietsbergbau ab 6. Februar 1920 Überstunden an. 

hf c kohle und eisenHVZ vom 1. Februar 1920. Kohle und Eisen als Grundlagen der deutschen Wirtschaft erkannt.

 

#Reflektionen in den Tageszeitungen über die Zukunft Deutschlands unter französischer Besatzung

hf c auslieferungsaffaereHVZ Berlin, 11. Februar 1920. Bereits vor Bekanntwerden der „Auslieferungsaffäre“, gemeint ist die Kohlenreparation, befassten sich die Berichterstatter, hier S.W. – sein voller Name wird nicht genannt, wie das Verhalten Frankreichs richtig beurteilt werden könne. Die französische Presse wird als scharf und rücksichtslos, als roh und gefühlslos bezeichnet.

hf c antwort kohlereparationBerlin, 12. Februar 1920. Reichsregierung antwortet den Alliierten in der Frage der Kohlereparation
Die Zeitungen berichten wiederholt, dass Frankreich die ungenügende Kohlelieferung aus Deutschland bemängelt. Deutschland dagegen bezeichnet die Wiedergabe der deutschen Zusage gemäß Vertrag von August 1919 als unrichtig: Es wurden keine Mengen vereinbart!

hf c frankreichs rheinlandgeruest alternativeFrankreichs Rheinlandgelüste
Berlin, 14. Februar 1920: Im Verlauf der Ereignisse steigert sich die Abneigung gegen Frankreich. Man spricht von „Rachepolitikern an der Seine“ und entwirft ein Szenarium, das sich von der Besatzung zu einer Annexion des Rheinlandes auswächst.

 

# Die Reichsregierung und das Ruhrgebiet

hf c 09          Gesamtansicht des Artikels (es folgen Ausschnitte mit Kommentar)

Essen, 18. Februar 1920. Der Reichskanzler und insbesondere der Reichskommissar Severing versuchen die Presse darauf einzuschwören, „ihrerseits alles zu tun, um aus den Nöten des Wirtschaftslebens herauszukommen“.

hf c 10„Die Bergarbeiter müssen einsehen, dass mehr Schichten verfahren werden müssen,“ so die Reichsregierung. Denn „die Kohle ist das Beste, zur Zeit einzige Zahlungsmittel im internationalen Verkehr, … deshalb bleibt nichts anderes übrig, als Mehrleistungen mit den jetzigen Belegschaften zu bestreben. Die Entwertung unseres Geldes im Auslande, zwingt uns zum Austausch von Ware gegen Ware.“

hf c 11Lebensmittel aus dem Ausland sind zurzeit nur gegen Kohle zu beschaffen, die „Bergarbeiter sollen aber diese Lebensmittel zu Inlandspreisen haben.“

hf c 12Der Reichskanzler betont sowohl die „überragende Bedeutung des Ruhrkohlenbezirks für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Vaterlandes“, als auch die wirtschaftliche Einheit des Ruhrkohlenbezirks, wie ihn der Siedlungsverband verwirklichen soll. Die allergrößte Sorgfalt soll auf die Ernährung der Bevölkerung des Ruhrkohlebezirks und besonders der Bergarbeiter verwendet werden.

hf c 13Berlin, 13. Februar 1920. Der Alltag stellt sich anders dar, als die Reichsregierung versprach: Das Ministerium für Landwirtschaft verfügt, dass Grubenholz dann bereitgestellt wird, wenn es mit anderen auf Holzbezug angewiesenen Gewerben vereinbar ist.

hf c 14Essen, 17. Februar 1920. Streiks machen die Bereitstellung von Wagons und Lokomotiven sowie den Abtransport von Brennstoffen unregelmäßig – die Haldenbestände schwinden.

 

# Die SPD und das Unternehmertum

hf c 15Köln, 18. Februar 1920. Der Reichstagsabgeordnete und Kölner Mehrheitssozialisten-Führer Wilhelm Sollmann erwartet die tatkräftige Mithilfe der Unternehmer und Angestellten in Gewerbe, Industrie, Handel und Landwirtschaft, um die „Wirtschaftsmaschinerie wieder in regelrechten Gang zu bringen“.
Er ist überzeugt, dass die Arbeiterklasse noch nicht die „wirtschaftliche und geistige Schulung besitze, um die Produktion in ihre Hände zu nehmen“.

 

# Der Bolschewismus - ein Angstphänomen?

hf c 16HVZ, 20. Februar 1920. Nach einer Londoner Zeitung erklärt „der bekannte Bolschewist Krassin“, dass „der Fall des Bolschewismus unvermeidlich sei.“ Der russische Revolutionär und Kampfgefährte von Stalin und Lenin, Leonid Borissowitsch Krassin, war seit November 1918 Volkskommissar für Handel und Industrie, damit war seine Leitung der sowjetischen Handelsvertretung in London (1921–23) verbunden.

 

# “Ich werde nicht dulden, dass mir eine solche Kerntruppe in einer so gewitterschwülen Zeit zerschlagen wird. … „

Mit diesem Satz kündigte General Walter von Lüttwitz der Regierung öffentlich den Gehorsam auf. Republikfeindlichkeit und Frustration früherer Soldaten, die sich in Freikorps organisierten, hatten schon lange im Militär gegoren. Die rechten Kräfte, Militär, Marine, Deutschnationale Volkspartei (DNVP) verlangten stärker an der Regierung beteiligt werden.

Der Versailler Friedensvertrag sah vor, dass das deutsche Heer auf 100.000 Mann sowie die Marine auf 15.000 Mann beschränkte werden musste. Am 29. Februar 1920 verfügte Reichswehrminister Gustav Noske, dass die Marinebrigade Ehrhardt aufzulösen sei. Die Führer der Freikorps akzeptierten nicht den massiven Personalabbau in der etwa 400.000 Mann starken Reichswehr von 1919. Die politischen Generäle waren nicht gewillt, auf die Instrumente ihrer politischen Macht zu verzichten. Am 10. März sprach Lüttwitz beim Reichspräsidenten Ebert vor und forderte die Rücknahme des Auflösungsbefehls verbunden mit politischen Forderungen.

Wie Noske beschreibt, erfuhr er zeitgleich mit dem Lesen des Berichts von Berger vom Termin des Generals beim Reichspräsidenten. Der Reichspräsident regiert mit einer Absage an die Einmischung eines Generals in die Regierungsarbeit. Noske entließ am folgenden Tag den General Lüttwitz. In der Folge kam es am 13. März 1920 zum Putsch, der als Kapp-Putsch in die Geschichte einging. Geführt wurde der Putsch von General Walther von Lüttwitz, dessen Truppen (zwei Marinebrigaden) unmittelbar zur Entlassung anstanden, mit Unterstützung von Erich Ludendorff sowie von Wolfgang Kapp.

Mit dem Putsch in der Nacht auf den 13. März 1920 wurde klar, dass die Reichsregierung nicht in Berlin bleiben konnte, da die Truppen sie festsetzen würden. Die Reichsregierung verließ Berlin und ging über Dresden nach Stuttgart.

 Literatur-Tipp

Noske, Gustav (1920): Von Kiel bis Kapp - Zur Geschichte deutschen Revolution; Verlag für Politik und Wirtschaft, 1920. Berlin W35; hier: Seite 203-206

 

# Der Kapp-Putsch auf der HVZ-Titelseite vom Samstag, 13. März 1920

„Letzte Meldungen“ vom Freitagabend in Berlin
Im Folgenden lesen Sie die letzten Nachrichten aus der Nacht auf den 13. März 1920 – der Kapp-Putsch in Berlin beginnt.

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 Der Kapp-Lüttwitz-Putsch, sein Verlauf und die Antwort des Militärs

„… Noske beriet sofort mit der Reichswehrführung über Gegenmaßnahmen. Doch nur der Chef der Heeresleitung, General Walther Reinhardt, forderte einen Truppeneinsatz gegen die Putschisten.
Die übrigen Generäle, die der Republik fernstanden, rieten davon ab – im Raum Berlin stünden nicht genügend Soldaten zur Verfügung, und "Reichswehrtruppen [würden] niemals auf andere Reichswehrtruppen schießen", wie General Hans von Seeckt äußerte. Der Regierung blieb nur die Flucht nach Stuttgart. Das Militär zeigt sich illoyal zum neuen Staat.
Inzwischen besetzte die Brigade Ehrhardt, unterstützt von einem Reichswehrbataillon, das Berliner Regierungsviertel. Kapp rief sich selbst zum Reichskanzler aus und ernannte von Lüttwitz zum Oberbefehlshaber der Reichswehr.
Gerettet wurde die Republik durch einen Generalstreikaufruf aus der Reichskanzlei, der von den Gewerkschaften und der SPD sofort befolgt wurde. Die KPD, der die Weimarer Republik als "Noske-Demokratie" verhasst war, schloss sich nur zögerlich an. Vielerorts kam es zu bewaffneten Kämpfen mit Kapp-Lüttwitz-Anhängern. …“ mehr unter bpb:

 

 Literatur-Tipp

Kapp-Lüttwitz-Putsch:
https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-um-die-republik
(10.03.2020) , Autor: Reinhard Sturm, 23.12.2011

 

# 14. März 1920 - Kapp-Lüttwitz-Putsch: Die Sonntagsausgabe der Hamborner Volkszeitung

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HVZ, 14. März 1920. Der gewaltsame Regierungswechsel … Die alte Regierung tagt in Dresden … keine Reaktion, keine Monarchie … Das neue Kabinett … Verhaftungsbefehle und Schutzhaft …
Details folgen hier:

hf c 23„Die halbamtlichen Mitteilungen … ließen den Anschein erstehen, als ob es der Regierung Ebert gelungen sei, die Bewegung im Keime zu erfassen und einzudämmen. – Dem war jedoch nicht so. In den ersten Morgenstunden nahm die anscheinend unterdrückte Fronde von der Macht in der Reichshauptstadt Besitz. Wir wollen versuchen, den Wust des vorliegenden Nachrichtenmaterials so zu ordnen, daß ein die Zeitfolge der Vorgänge innehaltendes Bild entsteht.“

hf c 24Berlin, 13. März 1920. Außer Reichskanzler Dr. Kapp, soll Bankdirektor Bang aus Leipzig als Reichsfinanzminister ernannt werden. Der frühere Polizeipräsident Traugott von Jagow soll Minister des Inneren, General von Lüttwitz Reichswehrminister und Reichsminister des Äußeren soll General von Winterfeldt werden.

hf c 25Berlin, 13. März 1920. In einer Pressekonferenz erläutert Rechtsanwalt Brebereck, dass die neue Regierung nicht reaktionär sei, sondern eine Regierung der verfassungsmäßigen und freiheitlichen Zeit.

hf c 26Leipzig, 13. März 1920. Telegramm von Ebert und seiner Reichsregierung an die Länderregierungen: die verfassungsmäßige Regierung tagt in Dresden.
Dresden, 13. März 1920. Präsident Fehrenbach beruft die Nationalversammlung nach Stuttgart ein.

hf c 27Forderungen der Marinebrigade Erhardt an die Regierung Ebert: “ Ersatz der Nichtfachminister durch Fachminister, Wiedereinsetzung des Generals Lüttwitz in seine Kommandotätigkeit, Amnestie für alle in der Angelegenheit verhafteten Personen, wie Hauptmann Waldemar Pabst u.a. Von dem Rücktritt Eberts als Präsident war keine Rede.“

hf c 28Berlin, 13. März 1920. Die neuen Machthaber verhaften bei einer Sitzung am Samstag das preußische Kabinett.

hf c 29Berlin, 13. März 1920. Reichsjustizminister Schiffer wird in Schutzhaft genommen, Reichsfinanzminister Erzberger soll verhaftet werden.

 

# Ein HVZ-Kommentar vom 14. März 1920 zur Kapp-Regierung

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Was ist das für ein Regiment? In der Antwort auf diese Frage ist nicht das Militär gemeint, sondern die neue Regierung. Der ungenannte Journalist zieht aus den Forderungen der neuen Regierung den Schluss, dass diese „Leute an geistigem Neid leiden“. Was sich in Berlin abspielt ist nicht „ein welterschütterndes Ereignis“, sondern die „Äußerung einer Kinderkrankheit der Revolution“. In Deutschland werden wir – so der Autor – noch eine Reihe, vielleicht gefährlicherer Krankheitserscheinungen zu überwinden haben.

 

# Das Ende der Kapp-Regierung

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HVZ, 18. März 1920. Titelseite zum Kapp-Putsch

 

Nach dem Kapp-Putsch

hf c 35Berlin, 19. März 1920: Die drei Entente-Geschäftsträger informieren den Vizekanzler Schiffer über ihre Sicht zur Beendigung der Krise durch den Kapp-Putsch. Man hofft, dass die durch die Fortdauer des Generalstreiks hervorgerufene Krise zu Gunsten des demokratischene Gedankens baldig überwunden werde. Denn was Deutschland Not tue, seien Ordnung und Sicherheit. Die Gewähr von Lebensmitteln sei laut dem englischen Geschäftsträger nur möglich, wenn im Inneren Deutschlands verfassungsmäßige Zustände herrschen.

 

Das 4 Tage-Intermezzo - Das Ende und die Folgen für die Weimarer Republik

Im folgenden eine Bewertung der Ereignisse durch Reinhard Sturm (bpb) aus dem Jahr 2011*

„ … Zum Glück für die Republik war der Putsch schlecht vorbereitet. Wirklichen Rückhalt besaß er nur bei den Großagrariern, Offizieren und Landräten östlich der Elbe.

Am 17. März 1920 brach die Aktion landesweit zusammen. Lüttwitz floh nach Ungarn, Kapp nach Schweden, Ehrhardt tauchte in Bayern unter.

Tags darauf forderten die Arbeitnehmervertretungen – der "Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund" (ADGB), die ihm angeschlossene "Arbeitsgemeinschaft für Angestellte" (AfA-Bund) und der vor allem die untere Beamtenschaft vertretende "Deutsche Beamtenbund" (DBB) – die Bildung einer MSPD-USPD-Regierung unter einem Reichskanzler Carl Legien.

Diese sollte endlich durch strukturelle Reformen die Demokratie wirkungsvoll schützen, u. a. durch Entlassung illoyaler Staatsdiener und durch Sozialisierungen.

Doch im Reichstag war nur eine neue Weimarer Koalitionsregierung unter Hermann Müller (MSPD) durchsetzbar. Weil Noske, dessen Politik der Härte gegenüber dem Links- und Rechtsradikalismus an den Generälen gescheitert war, von Otto Geßler (DDP) abgelöst wurde, trat der republiktreue General Reinhardt zurück.

Neuer Chef der Heeresleitung wurde ausgerechnet der zwar fähige, aber politisch unzuverlässige General von Seeckt. Unter seiner Amtsführung entwickelte sich die Reichswehr in den folgenden Jahren erst recht zu einer Art "Staat im Staate".

*Quelle: https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-%20um-die-republik, 6.3.2020

Hinweis: In diesem Zusammenhang ist es interessant die politische Haltung führender Generäle zu kennen, dazu siehe Handlungsfeld E

 

# „Heillos zerstrittene Arbeiterbewegung“*

„ … Mit der Gründung der Weimarer Republik ändert sich Deutschland schlagartig: Die den Freien Gewerkschaften nahestehenden Parteien übernehmen die Regierungsverantwortung, die Gewerkschaften haben plötzlich direkten Zugang zur Macht. Und sie können endlich einige ihrer Forderungen durchsetzen. ….

Doch das ist nur die eine Wahrheit. Die andere ist: Die Gewerkschafter sind in vielen grundsätzlichen Fragen heillos zerstritten. Die einen unterstützen den Weg in die parlamentarische Demokratie, die anderen wollen die Macht den Revolutionären, den Arbeiter- und Soldatenräten überlassen. Die einen glauben, dass es möglich sei, unter Beibehaltung der Besitzverhältnisse eine Gleichberechtigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu erreichen, die anderen fordern die Sozialisierung des Privateigentums.

Die beiden Strömungen finden keinen Kompromiss. … Die Gewerkschaftsbewegung und die ihnen nahestehenden Parteien sind gespalten, die neu gegründete Kommunistische Partei unterstützt oppositionelle Gruppen innerhalb der Freien Gewerkschaften, um ihre politischen Macht auszubauen. …. Aber die Mehrheit der Mitglieder spricht sich für die parlamentarische Demokratie unter Beibehaltung des Privateigentums aus. Sie ist überzeugt, dass es möglich ist, eine kapitalistische Wirtschaftsordnung zu schaffen, die sich am Gesamtwohl der Bevölkerung orientiert. …“ Weiter in (1) :

 

 

# FAUD im Ruhrgebiet – Bedeutung und Anteil an der Roten Ruhrarmee

„… Hochburgen der Gewerkschaft waren das Ruhrgebiet und insbesondere das damalige Amt Mengede – ein Stadtbezirk der heutigen Stadt Dortmund. Aus der „Freien Arbeiter Union-Mengede“, einer Ortsgruppe der FAUD mit über 1.000 Mitgliedern, vornehmlich Bergleuten, rekrutierte sich eines der ersten Bataillone der Roten Ruhrarmee. …“ Mit dieser Aussage bleibt unklar, welche Rolle der FAUD bei der Spontangründung der Roten Ruhr Armee mit 50-60.000 Soldaten/ Menschen tatsächlich spielte. Frühere Schätzungen von sehr viel höheren Zahlen (über 100.000) können darauf beruhen, dass die Zählweise nur Soldaten oder schlimmstenfalls in der Zählweise alle Verdächtigen statistisch einbezogen hatten.


Die Motivation der Kämpfer der RRA - Parteiziele und Kampf für Visionen

Bock zitiert Gerhard Colm´s Studie von 1921 mit Zeitzeugen-Interviews als zutreffend in dessen Aussage direkt nach den Ereignissen:

"Vergleicht man die ... Grundsätze der Syndikalisten mit der ganzen Ruhrbewegung, so sieht man einerseits, wie durchtränkt die ganze Bewegung, teils bewußt, teils unbewußt, mit syndikalistischen Ideen und Methoden ist, zum anderen sieht man, wie die vielen Mitglieder der "Freien Arbeiter-Union" durch ihre Teilnahme an der "Roten Armee' wesentliche Grundsätze mißachtet haben."

Damit ergibt sich eine Mischung ohne klare Position und Handlung.

Nach Colm heißt das jedoch nicht, „ … daß fast die Hälfte der Kämpfenden zielbewußt und unter einheitlicher Führung ein von der FAUD entworfenes Revolutionsprogramm zu verwirklichen suchte;

.das heißt vielmehr, daß dieselben aktivistischen oder auch bloß erregbaren Arbeiter, die auf Grund ihrer enttäuschten sozialrevolutionären oder auch nur sozialen Forderungen bereits aus Entrüstungsopposition aus den alten Verbänden ausgetreten waren und sich der FAU angeschlossen hatten,

nun auch - allenfalls mit einigen Losungen der Syndikalisten ausgestattet" - diejenigen waren, die sich in den bewaffneten Kampf stürzten und am längsten in ihm ausharrten - wie am Verhalten der Mülheimer Befehlszentrale erkennbar ist ….“

… Diese Neu-Syndikalisten, die häufig auch gleichzeitig noch der USPD oder der KPD angehörten, engagierten sich in der "Roten Armee" ungeachtet der Haltung der ideologischen Wortführer der FAUD in Berlin (Rocker, Kater, Oerter u. a.), die dieses Engagement prinzipiell ablehnten.“

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