Handlungsfelder: Hintergründe, Quellen und Erklärungen

Hintergrundmaterial wird in sieben Handlungsfeldern modulartig aufbereitet. Es gibt Anregungen zum Weiterlesen, zum selbständigen Vertiefen oder zur Diskussion. Unter der Rubrik Heimat werden die Ereignisse im Raum Dinslaken – Voerde – Hünxe chronologisch dargestellt und mit zahlreichen Quellen angereichert, wie es in dieser Komplexität bisher nicht zur Verfügung stand.


Die Geschichte des Bürgerkriegs 1920 begann bereits mit dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Das 14 Punkte-Programm, das US-Präsident Wilson zum Friedensschluss deklarierte, sah vor, dass Deutschland eine Demokratie wird. Die Deutschen hofften auf die USA und ihre Rolle, doch der US-Präsident musste sich innenpolitisch stabilisieren und wollte seine Idee des Völkerbundes vorantreiben. Deshalb zog er sich in den 17 Monaten bis zum Friedensschluss am 7. Januar 1920 zunehmend zurück. Er überließ den führenden europäischen Entente-Mächten, Frankreich und Großbritannien, die Ausarbeitung des Vertrages.

Welchen Erfolg kann eine verordnete Demokratie haben? Wer konnte nach 200 Jahren Adelsherrschaft und fast 50 Jahre Kaiserreich gewinnen? Für wen war Tradition von höherem Interesse? Wie hat die Industrialisierung Deutschland sozial und gesellschaftspolitisch verändert? Dies sind nur einige der Fragen, die sich bei der Auseinandersetzung mit dem Thema stellen.

 

# Die wirtschaftliche Lage

Der junge deutsche Staat war hoch verschuldet, die Umstellung der Kriegs- auf Friedenswirtschaft und die Wiedereingliederung der Kriegsteilnehmer in den Arbeitsprozess war noch nicht abgeschlossen. Aus den abgetrennten Ostgebieten kamen Flüchtlinge und Ausgewiesene. Die Reparationen an die Siegermächte bedeuteten eine schwere Belastung. Da das Kaiserreich den Ersten Krieg sowohl mit Krediten als auch mit einer Vervierfachung der umlaufenden Bargeldmenge finanziert hatte, kam es zu einer erheblichen Nachkriegsinflation.

... und die Rolle der Alliierten ab 1919

Die Demokratie in Deutschland wurde von den Siegern, von den Besatzern diktiert. Deutschland hoffte dabei auf die USA und ihren Präsidenten Wilson. Dieser legte am 8. Januar 1918 dem amerikanischen Kongress ein 14-Punkte-Programm vor, das einen für alle Parteien annehmbaren Friedensschluss vorsah. Dazu gehörten die Forderungen nach einem Selbstbestimmungsrecht der Völker. Anschließend setzten die USA keinen Schwerpunkt auf die Umsetzung im Nachkriegs-Deutschland, sondern gaben die weitere Entwicklung in die Hände der Franzosen.

# Wohin geht der Weg - sozialistisch, demokratisch oder wieder monarchistisch?

Nach Kriegsende war es das Ziel, eine demokratische Republik mit einem Parlament zu gestalten, in den Köpfen der Menschen war Demokratie jedoch ein Fremdwort. Außerdem wurde den Deutschen die Demokratie von den Siegern diktiert. Doch wie sollte sie aussehen? Welches Land konnte als Beispiel gelten für die Nachfolge im deutschen Kaiserreich? Der Reichstag als Sitz des Parlaments wurde bereits im Kaiserreich verächtlich als „Quasselbude“ diskriminiert. Letztendlich galt des Kaisers Wort. Im neuen parlamentarischen Alltag mussten die Entscheidungen demokratisch im Mehrheitsbeschluss und oft genug als Kompromiss gefasst werden. Mit zwei Proklamation binnen zwei Stunden (Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht) kam es am 9. November 1918 zum Konflikt, der über Jahrzehnte nachwirkte, da eine politisch tragfähige Mehrheit nicht zu bilden war. Die Polarität hieß sozialistisch oder national-traditionell. Dies war im Kern das Dilemma, das die Weimarer Republik für 14 Jahre durchlaufen musste, bis sie durch Unterwanderung und Notstandsgesetzgebung aufgelöst wurde. Aus dieser „Quasselbude“ wurde erst nach 1949 ein funktionierendes Parlament.

 


# Das neue Wahlrecht

Frau und Mann - bei Wahlen sind jetzt alle gleichberechtigt und wahlberechtigt
Mit der Abwahl des 3 Klassen-Wahlrechts im November 1918 und der Gleichberechtigung von Mann und Frau vor dem (Wahl-) Gesetz kam es zu deutlichen Änderungen: Die Wahlbeteiligung an den Reichstagswahlen im Frühjahr 1919 brachte 9% Frauen in den Reichstag.
Siehe auch Handlungsfeld F-Heimat: Frauen im Stadtparlament von Dinslaken seit 1919hf c 01

 


# Das Streikrecht

Die Diskrepanz von Recht und Realität zeigt ein Rundschreiben des Zechenverbandes vom 29.1.1920:

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Quelle: Abelshauser, Werner; Himmelsbach , Ralf (1988): Revolution in Rheinland und Westfalen. Quellen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Politik 1918-1923. Seite 94

 

Mit der Ablösung des Kaiserreichs im November 1918 wurde der Streik akzeptiert, unterzeichnet von der "Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands" und im Reichsanzeiger veröffentlicht. Die Gewerkschaften wurden Ende 1918 als "berufene Vertreter der Arbeiterschaft" anerkannt und das uneingeschränkte Koalitionsrecht, Arbeiterausschüsse, Schlichtungswesen und Kollektivverträge zur Regelung der Arbeitsbeziehungen garantiert. Ebenso wurde der Achtstundentag akzeptiert.

Der Streik war in der Weimarer Republik das wichtigste Kampfinstrument der Arbeiterschaft im Ringen um erträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen, seit etwa 1918 zudem Ausdruck politischer Ziele. Auch hinter „klassischen" Streikforderungen konnte sich die Verteidigung der sozialen Errungenschaften und damit ein "politischer" Grund verbergen. Die Grenzen waren fließend.

Quelle: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Streiks_(Erster_Weltkrieg_und_Weimarer_Republik)


# Revision des Versailler Vertrags ausgelöst durch eine Französische „Kohlennote“?

Der Vertrag mit den Siegermächten sah vor, dass Deutschland bei unzureichender Belieferung von Kohle rechtsrheinisch teilweise besetzt werden durfte. Damit war ein Konflikt vorprogrammiert, denn Kohle war ein schwer erarbeitetes Gut und die deutsche Bevölkerung brauchte selbst die abgebaute Kohle. Im Februar 1920 bestrafte die französische Regierung mit der sogenannten „Kohlennote“ den „absichtlich“ mangelhaften Vollzug der Reparationskohlenlieferungen mit einer ersten Sanktion. Sie setzte die Fristen für die Räumung der besetzten Gebiete aus und drohten weitere Zwangs- und Vergeltungsmaßnahmen an. Die Reichskanzlei nahm dies zum Anlass, die bisher unterdrückte Diskussion über eine Revision des Versailler Vertrags anzudeuten. Damit verbunden waren zu Jahresbeginn 1920, wenige Wochen nach dem Friedensschluss, zahlreiche Fragen: Wandelte sich vielleicht die Ansicht einzelner alliierter Mächte zur Reparationsfrage? Wie war das Verhältnis der europäischen Mächte zu Russland einzuschätzen? Und schließlich: Wollte Frankreich auch noch Deutschlands letztes Kohlerevier? Denn Elsass-Lothringen und Schlesien waren bereits zwangsweise abgetreten.

Die deutsche Militärverwaltung reagierte auf die Kohlepreiserhöhung zum 1. Februar mit einer Anweisung an den Bergbau zur Erbringung von Überstunden. Dies erfolgte gemäß Verfügung des Reichsarbeitsministers und den Tarifbestimmungen vom 2. Februar 1920.

Den Überlegungen, den Mitgliedern der Entente Vorschläge zur Festlegung einer endgültigen Reparationssumme zu unterbreiten, sollte das Kabinett durch die politischen Unruhen des Kapp-Lüttwitz-Putsches unfreiwillig enthoben werden.

Für weitere Informationen siehe: https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/11a/bau/bau1p/kap1_1/para2_7.html

 

Frankreich fordert mehr Kohlen

hf c 03HVZ Berlin, 11. Februar 1920. Frankreich bemängelt die Höhe der Kohle-Reparationen.

 

Volkswirtschaftliches. Überstunden im Bergbau.

hf c 04HVZ Münster, 1. Februar 1920. Das Wehrkreiskommando Münster, die militärische Führung also, weist im Ruhrgebietsbergbau ab 6. Februar 1920 Überstunden an.

 

Zur Revolution der Preise

hf c 05HVZ, 1. Februar 1920. Kohle und Eisen als Grundlagen der deutschen Wirtschaft erkannt.

 



# Die Hamborner Volkszeitung im Februar 1920 über die Zukunft Deutschlands unter französischer Besatzung

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HVZ Berlin, 11. Februar 1920. Bereits vor Bekanntwerden der „Auslieferungsaffäre“, gemeint ist die Kohlenreparation, befassten sich die Berichterstatter, hier S.W. – sein voller Name wird nicht genannt, wie das Verhalten Frankreichs beurteilt werden könne. Die französische Presse wird als scharf und rücksichtslos, als roh und gefühlslos bezeichnet.


hf c 07Frankreich und die Zukunft Deutschlands

Die Auslieferungsfrage. Die Unstimmigkeiten zwischen den Entente Mächten.

hf c 08Die Kohlennote. Eine Klarstellung

Berlin, 12. Februar 1920. Reichsregierung antwortet den Alliierten in der Frage der Kohlereparation

Die Zeitungen berichten wiederholt, dass Frankreich die ungenügende Kohlelieferung aus Deutschland bemängelt. Deutschland dagegen bezeichnet die Wiedergabe der deutschen Zusage gemäß Vertrag von August 1919 als unrichtig: Es wurden keine Mengen vereinbart!

 

Frankreichs Rheinlandgelüste

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Berlin, 14. Februar 1920: Im Verlauf der Ereignisse steigert sich die Abneigung gegen Frankreich. Man spricht von „Rachepolitikern an der Seine“ und entwirft ein Szenarium, das sich von der Besatzung zu einer Annexion des Rheinlandes auswächst.

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# Die Reichsregierung und das Ruhrgebiet

Der Reichskanzler und die Reichsminister zu wirtschaftlichen Lage

hf c 11Essen, 18. Februar 1920. Der Reichskanzler und insbesondere der Reichskommissar Severing versuchen die Presse darauf einzuschwören, „ihrerseits alles zu tun, um aus den Nöten des Wirtschaftslebens herauszukommen“. Details aus dem Artikel:

hf c 12„Die Bergarbeiter müssen einsehen, dass mehr Schichten verfahren werden müssen,“ so die Reichsregierung. Denn „die Kohle ist das Beste, zur Zeit einzige Zahlungsmittel im internationalen Verkehr, … deshalb bleibt nichts anderes übrig, als Mehrleistungen mit den jetzigen Belegschaften zu bestreben. Die Entwertung unseres Geldes im Auslande, zwingt uns zum Austausch von Ware gegen Ware.“

hf c 13Lebensmittel aus dem Ausland sind zurzeit nur gegen Kohle zu beschaffen, die „Bergarbeiter sollen aber diese Lebensmittel zu Inlandspreisen haben.“

hf c 14Der Reichskanzler betont sowohl die „überragende Bedeutung des Ruhrkohlenbezirks für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Vaterlandes“, als auch die wirtschaftliche Einheit des Ruhrkohlenbezirks, wie ihn der Siedlungsverband verwirklichen soll. Die allergrößte Sorgfalt soll auf die Ernährung der Bevölkerung des Ruhrkohlebezirks und besonders der Bergarbeiter verwendet werden.

 

Volkswirtschaftliches. Industrie. Die Versorgung des Bergbaus mit Grubenholz.

hf c 15Berlin, 13. Februar 1920. Der Alltag stellt sich anders dar, als die Reichsregierung versprach. Das Ministerium für Landwirtschaft verfügt, dass Grubenholz dem Bergbau nur dann bereitgestellt wird, wenn es mit anderen auf Holzbezug angewiesenen Gewerben vereinbar ist.

 

Volkswirtschaftliches. Zur Versorgungslage im Ruhrrevier.

hf c 16Essen, 17. Februar 1920: Streiks machen die Bereitstellung von Wagons und Lokomotiven sowie den
Abtransport von Brennstoffen unregelmäßig – die Haldenbestände schwinden.

 

 

Handlungsfeld A Die Not der Nachkriegszeit

hf c 53Mehl für notleidende Deutschösterreicher

Hamborn, 9. Januar 1920. In der Lebensmittelversorgung der Stadt Hamborn wird die Ration für Brot und Mehl auf 4,5 Pfund gekürzt. Die ersparte Mehlmenge eines halben Pfundes wird für notleidende Deutschösterreicher verwendet... (siehe Tabelle).

 

 

# Versäumnisse bei der Demokratisierung

Die Arbeitskämpfe wurden zunehmend politisiert und von Parteiinteressen gelenkt. Vor dem Hintergrund von Demonstrationen und Streiks wurde in Berlin im Reichstag diskutiert. Beschlüsse mussten dabei überparteilich durch Mehrheiten gefunden werde, wurden aufgehoben und mussten neu verhandelt werden. Am Ende war es ein Kennzeichen der Weimarer Republik, dass Regierungen nicht lange hielten.

Man verlor sich im Tagesgeschehen und versäumte, Strukturveränderungen anzugehen, wie sie nach der Revolution Ende 1918 angedacht und beschlossen waren. Zu den Kernpunkten gehörten strukturelle Änderungen auf dem der Weg zur Volkswehr und Abbau des kaiserlichen Heers, personelle Veränderungen in Behörde und Militär. Doch das Vorhaben, dass leitende Beamte auf der Grundlage der Demokratie stehen sollten, wurde nicht mehr thematisiert.

Dies rächte sich nach 1920. Die Justiz ahndete in nur geringem Maße falsche Standgerichtsurteile des Militärs oder politische Morde aus der Frühzeit der Weimarer Republik. Das widersprach dem Rechtsempfinden der Bevölkerung.

 


# Die Sozialistischen Parteien und die Angst vor dem Bolschewismus

Die Reichstagsparteien von 1919 im linken Flügel wurden in linksradikale (KPD) und sozialistische Parteien (SPD/MSPD) und USPD unterschieden. Mit Gründung der Weimarer Republik wurde ein Teil der politischen Ideen umgesetzt. Es kam immer wieder zu neuen Zusammenschlüssen, wie z.B. zur Gründung der KPD Ende 1919.

Der Begriff Bolschewismus entstand als Eigenbezeichnung für die radikale Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), den Bolschewiki. In Folge der Russischen Revolutionen von 1905 und 1922 wurde das Bild des „Bolschewismus“ vornehmlich von erklärten „Antibolschewisten“ geprägt und als Kampfbegriff gegen sämtliche Kommunistischen Parteien in Europa verwendet. Den Kern der Ideologie bildeten Programme zur Errichtung einer „Diktatur des Proletariats“, verbunden mit einer klassenlosen Gesellschaf. Der Bolschewismus in Deutschland wurde in der Weimarer Republik von erklärten antikommunistischen Gegnern bekämpft, sie unterstützten Freikorps und die Rätebewegung der organisierten Arbeiter. Die Angst des deutschen Bürgertums vor dem Bolschewismus war diffus und wurde durch die "Märzrevolution" als große bewaffnete Arbeiteraktion genährt.

Siehe dazu auch den Aufsatz von Joachim Kinder unter dem Button Archive/Aufsätze/Quellen

 


# Gewerkschaften - „Heillos zerstritten“

„ … Mit der Gründung der Weimarer Republik ändert sich Deutschland schlagartig: Die den Freien Gewerkschaften nahestehenden Parteien übernehmen die Regierungsverantwortung, die Gewerkschaften haben plötzlich direkten Zugang zur Macht. Und sie können endlich einige ihrer Forderungen durchsetzen. ….

Doch das ist nur die eine Wahrheit. Die andere ist: Die Gewerkschafter sind in vielen grundsätzlichen Fragen heillos zerstritten. Die einen unterstützen den Weg in die parlamentarische Demokratie, die anderen wollen die Macht den Revolutionären, den Arbeiter- und Soldatenräten überlassen. Die einen glauben, dass es möglich sei, unter Beibehaltung der Besitzverhältnisse eine Gleichberechtigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu erreichen, die anderen fordern die Sozialisierung des Privateigentums.

Die beiden Strömungen finden keinen Kompromiss. … Die Gewerkschaftsbewegung und die ihnen nahestehenden Parteien sind gespalten, die neu gegründete Kommunistische Partei unterstützt oppositionelle Gruppen innerhalb der Freien Gewerkschaften, um ihre politischen Macht auszubauen. ….

Aber die Mehrheit der Mitglieder spricht sich für die parlamentarische Demokratie unter Beibehaltung des Privateigentums aus. Sie ist überzeugt, dass es möglich ist, eine kapitalistische Wirtschaftsordnung zu schaffen, die sich am Gesamtwohl der Bevölkerung orientiert. …“

https://www.gewerkschaftsgeschichte.de/weimarer-republik-konflikte-in-der-arbeiterbewegung.html oder https://www.weimarer-republik.net/32-0-Gewerkschaften.html?lb=no

 

Die FAUD im Ruhrgebiet, ihre Bedeutung und ihr Anteil an der Roten Ruhrarmee

Die Freie Arbeiter-Union Deutschland (FAUD) entstand am 15. September 1919 durch Umbenennung aus der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften (FVDG). Sie war bis zu ihrer Auflösung 1933 die wichtigste Organisation des deutschen Anarchosyndikalismus und spielte vor allem im Ruhrgebiet bei der Niederschlagung des rechtsextremen Kapp-Putsches während des Ruhrkampfes eine wichtige Rolle.

„… Hochburgen der Gewerkschaft waren das Ruhrgebiet und insbesondere das damalige Amt Mengede – ein Stadtbezirk der heutigen Stadt Dortmund. Aus der „Freien Arbeiter Union - Mengede“, einer Ortsgruppe der FAUD mit über 1.000 Mitgliedern, vornehmlich Bergleuten, rekrutierte sich eines der ersten Bataillone der Roten Ruhrarmee. …“ Mit dieser Aussage bleibt unklar, welche Rolle der FAUD bei der Spontangründung der Roten Ruhr Armee mit 50-60.000 Soldaten/ Menschen tatsächlich spielte. Frühere Schätzungen von sehr viel höheren Zahlen (über 100.000) können darauf beruhen, dass die Zählweise nur Soldaten oder schlimmstenfalls in der Zählweise alle Verdächtigen statistisch einbezogen hatten.

https://www.gewerkschaftsgeschichte.de/weimarer-republik-konflikte-in-der-arbeiterbewegung.html oder https://www.weimarer-republik.net/32-0-Gewerkschaften.html?lb=no

 

Sozialdemokratie und Unternehmertum

hf c 17Februar 1920. Der Reichstagsabgeordnete und Kölner Mehrheitssozialisten-Führer Wilhelm Sollmann erwartet die tatkräftige Mithilfe der Unternehmer und Angestellten in Gewerbe, Industrie, Handel und Landwirtschaft, um die „Wirtschaftsmaschinerie wieder in regelrechten Gang zu bringen“. Er ist überzeugt, dass die Arbeiterklasse noch nicht die „wirtschaftliche und geistige Schulung besitze, um die Produktion in ihre Hände zu nehmen“.

 

Ausland. Rußland. Liquidation des Bolschewismus

hf c 18London, 20. Februar 1920. Liquidation des Bolschewismus. Nach Bericht einer Londoner Zeitung erklärt „der bekannte Bolschewist Krassin“, dass „der Fall des Bolschewismus unvermeidlich sei.“ Der russische Revolutionär und Kampfgefährte von Stalin und Lenin, Leonid Borissowitsch Krassin, war seit November 1918 Volkskommissar für Handel und Industrie, damit war seine Leitung der sowjetischen Handelsvertretung in London (1921–23) verbunden.

 


# “Ich werde nicht dulden, dass mir eine solche Kerntruppe in einer so gewitterschwülen Zeit zerschlagen wird. …“

Der Versailler Friedensvertrag sah vor, dass das deutsche Heer auf 100.000 Mann sowie die Marine auf 15.000 Mann beschränkte werden musste, damit standen rund 300.000 Reichswehrangehörige und Freikorpsleute vor der Entlassung. Die Führer der Freikorps akzeptierten nicht den massiven Personalabbau in der etwa 400.000 Mann starken Reichswehr von 1919. Die meisten klammerten sich an das Militär, das ihnen Halt gab.

Mit diesem Satz kündigte General Walter von Lüttwitz der Regierung öffentlich den Gehorsam auf. Republikfeindlichkeit und Frustration früherer Soldaten, die sich in Freikorps organisierten, hatten schon lange im Militär gegoren. Die rechten Kräfte, Militär, Marine, Deutschnationale Volkspartei (DNVP) verlangten stärker an der Regierung beteiligt werden.

Noske, Gustav, Von Kiel bis Kapp - Zur Geschichte deutschen Revolution. Berlin, 1920. Seite 203-206

https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-um-die-republik

 


# Der Kapp-Lüttwitz Putsch

Mit dem Kapp-Lüttwitz Putsch musste die Weimarer Republik ihre erste große Existenzkrise überstehen. Ausgelöst durch einen Rechtsputsch, zog er einen Linksputsch nach sich. Am 29. Februar 1920 verfügte Reichswehrminister Gustav Noske, dass die Marinebrigade Ehrhardt aufzulösen sei. Die Generäle waren jedoch nicht gewillt, auf die Instrumente ihrer politischen Macht zu verzichten. Am 10. März sprach Lüttwitz beim Reichspräsidenten Ebert vor und forderte die Rücknahme des Auflösungsbefehls verbunden mit politischen Forderungen. Der Reichspräsident reagierte mit einer Absage an die Einmischung eines Generals in die Regierungsarbeit. Noske entließ am folgenden Tag General Lüttwitz. Am 12. März marschierte dieser spätabends nach Berlin, um die Regierung zu stürzen. Es kam zum Putsch am 13. März 1920, der als Kapp-Putsch in die Geschichte einging. Geführt wurde er von Wolfgang Kapp, Erich Ludendorff sowie von General Walther von Lüttwitz, dessen Truppen (zwei Marinebrigaden) unmittelbar zur Entlassung anstanden.

Damit war klar, dass die Reichsregierung nicht in Berlin bleiben konnte, da die Truppen sie festsetzen würden. Die Reichsregierung verließ Berlin und ging über Dresden nach Stuttgart.

Noske, Gustav, Von Kiel bis Kapp - Zur Geschichte deutschen Revolution. Berlin, 1920. Seite 203-206

https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-um-die-republik

 

Der Kapp-Lüttwitz-Putsch, sein Verlauf und die Antwort des Militärs wie er von der Bundeszentrale für politische Bildung dargestellt wird:

„… Noske beriet sofort mit der Reichswehrführung über Gegenmaßnahmen. Doch nur der Chef der Heeresleitung, General Walther Reinhardt, forderte einen Truppeneinsatz gegen die Putschisten.

Die übrigen Generäle, die der Republik fernstanden, rieten davon ab – im Raum Berlin stünden nicht genügend Soldaten zur Verfügung, und "Reichswehrtruppen [würden] niemals auf andere Reichswehrtruppen schießen", wie General Hans von Seeckt äußerte. Der Regierung blieb nur die Flucht nach Stuttgart. Das Militär zeigt sich illoyal zum neuen Staat.

Inzwischen besetzte die Brigade Ehrhardt, unterstützt von einem Reichswehrbataillon, das Berliner Regierungsviertel. Kapp rief sich selbst zum Reichskanzler aus und ernannte von Lüttwitz zum Oberbefehlshaber der Reichswehr.

Gerettet wurde die Republik durch einen Generalstreikaufruf aus der Reichskanzlei, der von den Gewerkschaften und der SPD sofort befolgt wurde. Die KPD, der die Weimarer Republik als "Noske-Demokratie" verhasst war, schloss sich nur zögerlich an. Vielerorts kam es zu bewaffneten Kämpfen mit Kapp-Lüttwitz-Anhängern. …“

Mehr unter: https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-um-die-republik vom 10.03.2020 (Autor: Reinhard Sturm, 23.12.2011)

 

13. März 1920: „Letzte Meldungen“ vom Freitagabend in Berlin

Ein Umsturz von rechts? Der Ernst der Lage – Truppen im Anmarsch auf Berlin.

hf c 19HVZ, Samstag, 13. März 1920

hf c 21hf c 20HVZ, Samstag, 13. März 1920

 

Soll wieder Blut fließen?

hf c 21hf c 20HVZ, Samstag, 13. März 1920

 

14. März 1920 – Der Putsch in der Sonntagsausgabe der Hamborner Volkszeitung

Der gewaltsame Regierungswechsel

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HVZ, 14. März 1920. Der gewaltsame Regierungswechsel … Die alte Regierung tagt in Dresden … keine Reaktion, keine Monarchie … Das neue Kabinett … Verhaftungsbefehle und Schutzhaft …

 

Die Nachrichten im Detail:

hf c 25„Die halbamtlichen Mitteilungen … ließen den Anschein erstehen, als ob es der Regierung Ebert gelungen sei, die Bewegung im Keime zu erfassen und einzudämmen. – Dem war jedoch nicht so. In den ersten Morgenstunden nahm die anscheinend unterdrückte Fronde von der Macht in der Reichshauptstadt Besitz. Wir wollen versuchen, den Wust des vorliegenden Nachrichtenmaterials so zu ordnen, daß ein die Zeitfolge der Vorgänge innehaltendes Bild entsteht.“

hf c 26Berlin, 13. März 1920. Außer Reichskanzler Dr. Kapp, soll Bankdirektor Bang aus Leipzig als Reichsfinanzminister ernannt werden. Der frühere Polizeipräsident Traugott von Jagow soll Minister des Inneren, General von Lüttwitz Reichswehrminister und Reichsminister des Äußeren soll General von Winterfeldt werden.

hf c 27Berlin, 13. März 1920. In einer Pressekonferenz erläutert Rechtsanwalt Brebereck, dass die neue Regierung nicht reaktionär sei, sondern eine Regierung der verfassungsmäßigen und freiheitlichen Zeit.

hf c 28Leipzig, 13. März 1920. Telegramm von Ebert und seiner Reichsregierung an die Länderregierungen: die verfassungsmäßige Regierung tagt in Dresden.

Dresden, 13. März 1920. Präsident Fehrenbach beruft die Nationalversammlung nach Stuttgart ein.

 

Die Regierungstruppen zurückgezogen

hf c 29Forderungen der Marinebrigade Erhardt an die Regierung Ebert: “ Ersatz der Nichtfachminister durch Fachminister, Wiedereinsetzung des Generals Lüttwitz in seine Kommandotätigkeit, Amnestie für alle in der Angelegenheit verhafteten Personen, wie Hauptmann Waldemar Pabst u.a. Von dem Rücktritt Eberts als Präsident war keine Rede.“

 

Die preußische Regierung verhaftet

hf c 30Berlin, 13. März 1920. Die neuen Machthaber verhaften bei einer Sitzung am Samstag das preußische Kabinett.

 

Verhaftungsbefehle und Schutzhaft

hf c 31Berlin, 13. März 1920. Reichsjustizminister Schiffer wird in Schutzhaft genommen, Reichsfinanzminister Erzberger soll verhaftet werden.

 


# Ein HVZ-Kommentar zur Kapp-Regierung vom 14. März 1920: Was ist das für ein Regiment?

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Was ist das für ein Regiment? Damit ist nicht das Militär gemeint, sondern die neue Regierung. Der ungenannte Journalist zieht aus den Forderungen der neuen Regierung den Schluss, dass diese „Leute an geistigem Neid leiden“. Was sich in Berlin abspielt ist nicht „ein welterschütterndes Ereignis“, sondern die „Äußerung einer Kinderkrankheit der Revolution“. In Deutschland werden wir – so der Autor – noch eine Reihe, vielleicht gefährlicherer Krankheitserscheinungen zu überwinden haben.

 


# Das Ende der Kapp-Regierung

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HVZ, 18. März 1920. Titelseite zum Kapp-Putsch

 

Das 4 Tage-Intermezzo - Das Ende und die Folgen für die Weimarer Republik

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Die Abbildung stammt aus F.W. von Oertzen, Die deutschen Freikorps 1918-1923. München 1939

Zur Niederschlagung des Kapp-Lüttwitz-Putsches hatten Reichspräsident Ebert und die sozialdemokratischen Minister der Reichsregierung am 13. März 1920 zum reichsweiten Generalstreik ausgerufen und damit die Bevölkerung zum Kampf gegen die Konterrevolution aufgefordert. USPD, KPD, der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB), die Arbeitsgemeinschaft für Angestellte (AfA) und der Deutsche Beamtenbund schlossen sich dem Aufruf an.
Allerdings war der Streik nicht mit dem Scheitern des Kapp-Lüttwitz-Putsches beendet: Die Gewerkschaften formulierten weitreichende Forderungen, die ihnen ein stärkeres politisches Mitspracherecht erlauben sollten. Erst durch einen Kompromiss mit der Reichsregierung, der u.a. die Entlassung des Reichswehrministers Noske beinhaltete, wurde der Streik am 22. März 1920 für beendet erklärt.

 

Eine Bewertung der Ereignisse durch Reinhard Sturm (bpb), 2011*
„ … Zum Glück für die Republik war der Putsch schlecht vorbereitet. Wirklichen Rückhalt besaß er nur bei den Großagrariern, Offizieren und Landräten östlich der Elbe. Am 17. März 1920 brach die Aktion landesweit zusammen. Lüttwitz floh nach Ungarn, Kapp nach Schweden, Ehrhardt tauchte in Bayern unter.

Tags darauf forderten die Arbeitnehmervertretungen – der "Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund" (ADGB), die ihm angeschlossene "Arbeitsgemeinschaft für Angestellte" (AfA-Bund) und der vor allem die untere Beamtenschaft vertretende "Deutsche Beamtenbund" (DBB) – die Bildung einer MSPD-USPD-Regierung unter einem Reichskanzler Carl Legien. Diese sollte endlich durch strukturelle Reformen die Demokratie wirkungsvoll schützen, u. a. durch Entlassung illoyaler Staatsdiener und durch Sozialisierungen.

Doch im Reichstag war nur eine neue Weimarer Koalitionsregierung unter Hermann Müller (MSPD) durchsetzbar. Weil Noske, dessen Politik der Härte gegenüber dem Links- und Rechtsradikalismus an den Generälen gescheitert war, von Otto Geßler (DDP) abgelöst wurde, trat der republiktreue General Reinhardt zurück.
Neuer Chef der Heeresleitung wurde ausgerechnet der zwar fähige, aber politisch unzuverlässige General von Seeckt. Unter seiner Amtsführung entwickelte sich die Reichswehr in den folgenden Jahren erst recht zu einer Art "Staat im Staate".

*Quelle: https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-%20um-die-republik, 6.3.2020. Hinweis: In diesem Zusammenhang ist es interessant die politische Haltung führender Generäle zu kennen, dazu siehe Handlungsfeld E

 

Sonntag 20. März 1920 auf Reichsebene: „Vor dem Chaos“

hf c 38Die HVZ titelt „Vor dem Chaos“ und bezieht sich …. auf die Europa-Ebene des politischen Geschehens. Die Rubrik „Aus Westdeutschland“ nennt - zurückgestellt hinter der Titelgeschichte - die Nachrichten zu den Aufständen (und Erfolgen) der Arbeiter.

 

Im Westen

hf c 39Essen, 20. März. Die Stadt wurde dem revolutionären Proletariat übergeben …. Waffen sind abzugeben … Ausgehverbot ab 10 Uhr abends. Dies war der Wendepunkt für das Ruhrgebiet und den Befehl zum Rückzug der Reichswehr aus dem Ruhrgebiet.

Aber lediglich die Terminplanung der Generalstabspläne aus Münster musste im Zuge der kommenden Verhandlungen in Bielefeld und Münster vom 22. März auf den 2. April 1920 verschoben werden (Quelle: Eliasberg/1974, Seite 232).

hf c 40Hagen, 20. März 1920. Pressezensur restlos aufgehoben.

Essen, 20. März 1920. Der hiesige Vollzugsrat hat die vollziehende Gewalt übernommen. Plünderungen sind nicht vorgekommen.

 

Verhandlungen auf Reichsebene für das Industriegebiet

Im Industriegebiet

hf c 41Hagen. ....

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Verhandlungen in Berlin

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# Der Aufstand der Roten Ruhr Armee und das Ende der Revolution im Ruhrgebiet

Noch während des Kapp-Lüttwitz-Putsches übernahmen in den größeren Orten des Ruhrgebietes spontan entstandene lokale "Vollzugsräte" der USPD und der KPD die politische Macht. Als der Streik am 22. März 1920 für beendet erklärt wurde, wurde nicht überall die Arbeit wiederaufgenommen. Vor allem im Ruhrgebiet war die Stimmung derart aufgeheizt, dass weitergestreikt wurde. Sie organisierten bewaffnete Arbeiterwehren, diese sogenannte Rote Ruhrarmee bildete bald eine Gruppe von bis zu 50.000 bewaffneten Arbeitern. In erbitterten Kämpfen gelang es ihnen, die einmarschierenden aufständischen Freikorps zum Rückzug zu zwingen. Die organisierten Arbeiter versuchten die Macht zu übernehmen und mit Vollzugsräten und Aktionsausschüssen eine Räteherrschaft durchzusetzen.

Unterstützung erhielt sie durch den Streik von mehr als 300.000 Bergarbeitern (rund 75 Prozent der Belegschaften). Der linksradikale Widerstand gegen den Kapp-Lüttwitz-Putsch verwandelte sich in einen Kampf für die Wiederbelebung und Vollendung der sozialen Revolution und des Rätesystems. Diese "Märzrevolution" war die größte bewaffnete Arbeiteraktion, die es in Deutschland je gab. Sie nährte, wie schon die Münchner Räterepublik, die Angst des Bürgertums vor dem Bolschewismus, zumal es, weil eine einheitliche, anerkannte Führung fehlte, örtlich immer wieder zu Ausschreitungen gegen tatsächliche oder vermeintliche Kapp-Lüttwitz-Anhänger kam.

Die Reichsregierung verhandelte in Bielefeld (und dann in Münster) mit einzelnen, ausgewählten Verhandlungspartnern. Sie sagten politischer Reformen und eine Amnestie nach der Selbstauflösung der Roten Ruhrarmee zu. Da jedoch die Vertreter der Arbeiter und der verschiedenen Gruppen die erzielten Ergebnisse anschließend in ihren verschiedenen Organisationen besprechen mussten, war die Zeit des Ultimatums schlicht zu kurz. Die Arbeiterseite hatte keine Chance innerhalb der Ultimaten einig zu werden, und schon gar nicht alles zu erfüllen. Diese Verhandlungsmoderation von Severing führte zu weiteren Vertrauensverlusten.

Schließlich erhielten Reichswehrtruppen und Freikorps (darunter auch ehemalige Kapp-Lüttwitz-Putschisten) freie Hand, die Rote Ruhrarmee mit allen Mitteln (auch mit standrechtlichen Erschießungen) zu bekämpfen. Diesmal ließ sich die Reichswehr bereitwillig einsetzen, ging es doch gegen "Bolschewisten", nicht gegen "Kameraden". So ist bekannt, dass der Militärbefehlshaber des Ruhrgebiets General von Watter plante - teils parallel mit den Verhandlungen in Bielefeld - einen militärischen Eingriff im Ruhrgebiet plante. Mitte März 1920 erbat er über seine vorgesetzte Dienststelle in Kassel bei den Entente Mächten, die Erlaubnis in die 50km-Neutralzone im Rheinland einzumarschieren. Seine Pläne mussten durch die Verhandlungen der Reichsregierung mit den Vollzugsräten zweimal verschoben werden. Am 1. April wurde der Einmarsch der Reichswehr von der Reichsregierung befohlen. Beim Einmarsch am 2. April 1920 wurden die Reichswehrtruppen von Freikorps-Verbänden unterstützt – von denjenigen Kräften, die noch wenige Tage zuvor versucht hatten, die demokratisch legitimierte Regierung zu stürzen.

Ab dem 8. April war die Rote Ruhrarmee entwaffnet oder geflohen, und das Ruhrgebiet weitgehend von Regierungstruppen kontrolliert. Am Ende der Kämpfe hatten die Aufständischen weit mehr als 1000 Tote zu beklagen, Reichswehr und Freikorps etwa 250.

Quelle: https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-um-die-republik

 

Eine Arbeiterregierung im Werden?

hf c 44hf c 45
24. März 1920. Vorschlag der USPD zu neuem Ministerium …. Demokraten und christliche Arbeiter in Regierung … Fraktion hat noch nicht erörtert …

 

Dank der Reichsregierung an die Beamten

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Berlin, 24. März 1920. Dank an die Unterstaatssekretäre und Beamten im Kapp-Putsch

 

Der Frieden von Bielefeld

hf c 4825. März 1920. Am 23. März lud Reichskommissar Severing Arbeitervertreter, Vertreter der Vollzugsausschüsse, zu einer Konferenz nach Bielefeld ein. Doch der Frieden von Bielefeld, ein Waffenstillstand, der weitere Verhandlungen ermöglichen sollte, wird nicht eingehalten. Die Vereinbarung umfasst 17 Punkte. Hier folgt ein Auszug: ...

11. Die sämtlichen Beteiligten verpflichten sich, ihren ganzen Einfluß dahin auszuüben, daß die Arbeiterschaft so schnell wie möglich, zur gewohnten Arbeit zurückkehrt. Die Arbeitgeber sind gehalten, die zurückkehrenden Arbeiter wieder einzustellen.

12. Es erfolgt sofortige Abgabe der Waffen und Munition sowie die Rückgabe des requirierten und erbeuteten Heeresgerätes an die Gemeindebehörde.

13. Alle Gefangenen sind sofort, spätestens bis 27. März mittags 12 Uhr zu entlassen.

14. Bei loyaler Einhaltung dieser Vereinbarungen wird ein Einmarsch der Reichswehr in das rheinisch-westfälische Industriegebiet nicht erfolgen. ...
Von Watter sollte nur auf schriftliche Anweisung des gesamten Reichsministeriums handeln können!

 

Essen und Hagen erkennen das Bielefelder Abkommen an

hf c 49Essen, 27. März 1920.

 

Zur Lage. Ein Angebot des Zentralrates an die Regierung

hf c 50hf c 5128. März 1920. Zentralrat und Regierung im engen Kontakt …

 

Neue Verpflichtung der preußischen Sicherheitswehr

hf c 5229. März 1920. Der neue preußische Minister des Inneren (Severing) hat alle Beamten der Sicherheitswehr durch Handschlag auf verfassungsmäßige Regierung nochmals verpflichtet.

 


# Folgen von Putsch und Revolution

Der Putschversuch von rechts und der Revolutionsversuch von links veranlassten die regierende Weimarer Koalition dazu, vorzeitig den ersten republikanischen Reichstag wählen und an die Stelle der Nationalversammlung treten zu lassen. Nach einer Wahlrechtsänderung entfiel jetzt auf 60.000 Stimmen ein Mandat. Die Wahlen vom 6. Juni 1920 endeten für MSPD, DDP und Zentrum mit einem Desaster: Zusammen rutschten sie unter die 50-Prozent-Marke. Dieses Bündnis zwischen sozialdemokratischer Arbeiterschaft, liberalem Bürgertum und politischem Katholizismus vermochte nie wieder eine Mehrheit zu erringen. Dagegen erzielten einerseits die USPD, andererseits DVP und DNVP beträchtliche Gewinne.

Die starken Einbußen der Weimarer Koalition erklären sich aus der seit Sommer 1919 anhaltenden politischen Polarisierung, die – je nach Standort der Wähler – mit der Enttäuschung über die stecken gebliebene Revolution und ihre gescheiterte Fortsetzung oder mit der Empörung über den Versailler Vertrag und der Anziehungskraft der Dolchstoßlüge zusammenhing. Tief enttäuscht wechselte die MSPD in die Opposition. Zentrum, DDP und DVP bildeten eine bürgerliche Minderheitsregierung unter Reichskanzler Konstantin Fehrenbach (Zentrum). Reformen stand die neue Regierung fern. Die Freikorps wurden jetzt aufgelöst, auf Druck der Alliierten auch die Einwohnerwehren (in Bayern im Sommer 1921). Viele ihrer Mitglieder wandten sich den deutschvölkischen Organisationen zu, darunter der NSDAP und der SA.

Zumindest in Preußen – hier regierte noch eine Weimarer Koalition – machte man jetzt ernst mit der Demokratisierung des öffentlichen Dienstes und entfernte in den folgenden Jahren viele republikfeindliche Beamte aus ihren Positionen. Preußen, das über 60 Prozent der Fläche und der Bevölkerung der Weimarer Republik umfasste, galt Republikanern bald als "Bollwerk der Demokratie", Rechtsstehenden als "rote Festung". Demgegenüber entwickelte sich Bayern, der zweitgrößte Flächenstaat, in die entgegengesetzte Richtung. Die MSPD wurde schon während des Kapp-Lüttwitz-Putsches in die Opposition gedrängt; es etablierten sich rechtskonservative Regierungen, stets unter Beteiligung der BVP. Bayern erwarb sich – je nach politischer Perspektive – den Ruf einer "Ordnungszelle" bzw. eines "Hortes der Reaktion".

Quelle: https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275837/1919-1923-kampf-um-die-republik

 

Sozialistisch, demokratisch oder wieder nationalistisch?

Die Demokratie war von den Siegern diktiert. Aber wie sollte sie aussehen? Wer konnte Beispiel für die Nachfolge des deutschen Kaiserreichs sein? Der Reichstag als Sitz des Parlaments war bereits im Kaiserreich verächtlich als „Quasselbude“ diskriminiert. Es galt des Kaisers Wort.

# Das Streikrecht und die Lage der Arbeiter in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ...

hf d 01Die Arbeiter machten immer wieder die Erfahrung, dass nach erfolgreichem Kampf um bessere Arbeits-bedingungen und Entlohnung, die Arbeitgeber ihre Zusagen nicht einhielten. Um hier ausreichend Ge-wicht zu bekommen, organisierten sie sich zunehmend in Verbänden, in Parteien und Gewerkschaften.
Mit der Ablösung des Kaiserreichs im November 1918 wurde der Streik als Kampfinstrument akzeptiert, von der "Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands" unterzeichnet und im Reichsanzeiger veröffentlicht. Die Gewerkschaften wurden Ende 1918/ Januar 1919 als "berufene Vertreter der Arbeiterschaft" in den Verhandlungen mit den Arbeitge-bern gesetzlich erlaubt und anerkannt. Außerdem wurde das uneingeschränkte Koalitionsrecht, Arbei-terausschüsse, Schlichtungswesen und Kollektivverträge zur Regelung der Arbeitsbeziehungen garan-tiert. Ebenso wurde der Achtstundentag akzeptiert.
In der Weimarer Republik war der Streik das wichtigste Kampfinstrument der Arbeiterschaft im Ringen um erträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen, seit etwa 1918 zudem Ausdruck politischer Ziele. Auch hinter „klassischen" Streikforderungen konnte sich die Verteidigung der sozialen Errungenschaften und damit ein "politischer" Grund verbergen. Die Grenzen waren fließend.
Quelle: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Streiks_(Erster_Weltkrieg_und_Weimarer_Republik)

Zu Beginn der Weimarer Republik gab es viele und unterschiedliche politische Ideen, um soziale Verbes-serungen zu erreichen. Dies führte zur Zersplitterung in den sozialistischen Parteien und in den Gewerk-schaften. Die Richtungskämpfe innerhalb und zwischen den Parteien, Verbänden und Gewerkschaften wuchsen und es gab weitere Zersplitterungen. Zu Kompromissen war kaum jemand bereit. Dies schwäch-te die Position der Arbeiter in den Verhandlungen und führte erneut zu nachlassender Vertragstreue der Arbeitgeber.
Arbeitgeber schlossen sich zu immer größeren Konzernen zusammen. Die Mitwirkung der Arbeitnehmer sah man hier als notwendiges Übel. Die Arbeiter und ihre Kämpfe waren 1919/1920 belastet mit Erfah-rungen aus den Arbeitskämpfen mit Polizeieinsätzen seit 1910.
1920 verschärfte sich die Konfrontation erneut, es standen Bürgerwehr, Polizei und Reichswehr den Streikenden gegenüber. Die Auseinandersetzungen waren unversöhnlicher, zuletzt verzweifelt und für viele hoffnungslos, denn sie wurde zunehmend vermischt mit gesellschaftspolitischen Vorstellungen. Die Wahl zum Reichstag polarisierte die Wähler in Deutschland.

 

... und zur Zeit der Roten Ruhrarmee
Als es im März 1920 zum Kapp-Putsch in Berlin kam, schlossen sich im Ruhrgebiet spontan bewaffnete streikende Arbeiter zusammen. Begonnen hatte der Hass auf die Reichswehr und deren Übergriffe be-reits zu Jahresbeginn 1919. Genährt aus der Enttäuschung über die Vertragsbrüche der Regierung er-wuchs der Protest gegen die aktuellen Arbeitsbedingungen. Radikale Akteure verfolgten bald die Durch-setzung ihrer Forderungen mit Waffeneinsatz.
Der fehlende Wille zu einer gemeinsamen Verhandlungslösung aller Akteure zeigte sich rasch, der Schritt vom Streik über Verhandlungen hin zur Waffengewalt war kurz. Die militärische Drohung im Namen der Reichsregierung stand hinter den Verhandlungsführern und signalisierte: wir, das Militär, stehen für die Ordnung, die das bestehende System bot. Streiks bedeuteten Unruhe und gefährdeten diese Ordnung. Doch die Arbeiter waren politisch uneins, es war ein leichtes, Keile zwischen sie zu treiben und Zwietracht zu sähen.

 

 

# Vom sozialen zum politischen Kampf in der Weimarer Republik

Die Arbeitskämpfe um soziale Verbesserungen wurden zunehmend von Parteiinteressen gelenkt. Das politische Spektrum schwankte zwischen moderaten Reformen und einer Revolution. Zwischen diesen Extremen wurde im Reichstag in Berlin diskutiert. Beschlüsse mussten jedoch überparteilich und durch Mehrheiten gefunden werden. Da Mehrheiten immer wieder neu gesucht werden mussten, hielten Re-gierungen in der Weimarer Republik nicht lange.
Die Richtungskämpfe innerhalb und zwischen den Parteien, Verbänden und Gewerkschaften wurden zum Alltag und es gab weiter Zersplitterung. Mangels Kompromisslösungen führten sie zur Schwächung in den Verhandlungen.
Die Arbeitgeber sahen Anlässe für vertragstreue schwinden. Gleichzeitig nahm die Konzentration der Arbeitgeber in großen Konzernen weiter zu. Die Mitwirkung der Arbeitnehmer sahen die Unternehmer als notwendiges Übel. Die Arbeiter hatten gelernt, dass Zugeständnisse nicht immer eingehalten wurden. Auf beiden Seiten war die Grundlage für Vertrauen verloren.
Quellen: Feldmann, Gerald (1980): Arbeitskonflikte im Ruhrbergbau 1919-1923. Zur Politik von Zechenverband und Gewerkschaf-ten zur Überschichtenfrage" in: Vierteljahreshefte der Zeitgeschichte 28.Jg 1980 / April / Hg Bracher; Lohalm, Uwe, Zwei Ansich-ten zur Zusammenarbeit von Unternehmen und Gewerkschaften. In: Die Weimarer Republik 1918 bis 1933. 1984, Bd. 1, Quellen-heft, Beitrag Nr. 27

 

 

# „Bergarbeiter! Deutschland hat genug gelitten“ – Die Einstellung des Generals von Watter

hf d 02Der Befehlshaber des Wehrbereichskommandos VI für das Ruhrgebiet, General von Watter (weiterge-hende Informationen zur Person siehe unter Handlungsfeld E), erließ am 1. Februar 1920 mit einer Ver-ordnung strenge Maßnahmen gegen streikende Bergarbeiter:
„Die Notwendigkeit der zweckmäßigen Bekanntmachung der Streikgefahr im Bergbau erfordert vo-rübergehend besondere Maßnahmen. Deshalb sind den nachstehenden Behörden auf Anordnung des Militärbefehlshabers und des Regierungskommissars folgende Weisungen zu geben:
1. Belegschaftsversammlungen der Bergarbeiter sind bis auf weiteres verboten ...
2. Streikpostenstehen ist verboten …
3. Von den Zechenverwaltungen wird im Falle eines Streiks oder einer Aufstörung den in Betracht kom-menden Gemeindebehörden eine Liste derjenigen Arbeiter überreicht, die für die Leistung von Not-standsarbeiten in Frage kommen.
Die Aufforderung an die Arbeiter zur Leistung von Notstandsarbeiten hat unter Hinweis auf die Strafbe-stimmungen des Militärbefehlshabers vom 12.1.1920 unverzüglich zu erfolgen. Arbeiter, die der Auffor-derung keine Folge leisten, sind sofort zur Anzeige zu bringen, in dringenden Fällen in Haft zu nehmen...“

Parallel dazu erließ dieselbe Person, der Befehlshaber des Wehrkreises VI., am 1. Februar 1920 folgenden Aufruf:
„Bergarbeiter!
Deutschland hat genug gelitten.
Überlegte Volksverderber haben einen Teil von Euch bewogen, gerade jetzt zu einem Zeitpunkt wirt-schaftliche Forderungen aufzustellen, wo ihre Erfüllung gleichbedeutend wäre mit völligem Zusammen-bruch des Wirtschaftslebens.
Darum wird die Regierung in ihrer ablehnenden Haltung fest blieben, und wenn es notwendig sein sollte, alle ihr zu Gebote stehenden Machtmittel zur Durchsetzung ihres Willens anwenden.
Bergarbeiter! Die Maßnahmen der Regierung zur Erhaltung Deutschlands sind getroffen. Ich werde gege-benfalls diese mir zur Verfügung stehende starke Macht auf Befehl der Regierung mit rücksichtsloser Strenge einsetzen. Wer das mit mir zu vermeiden wünscht, tue seine Pflicht indem er die schwachen und der Verführung zugänglichen Kameraden von unüberlegten Handlungen abhält und verantwortungslose Drahtzieher den Behörden namhaft mach und so der öffentlichen Bestrafung überantwortet.
Der Befehlshaber des Wehrbezirkes VI.
gez. Frhr. von Watter, Generalleutnant“

 

 

# Aufruf zum Generalstreik in Berlin - 13. März 1920+

hf d 01Die Antwort der Bergarbeiter auf die wirtschaftliche Situation, den Kapp-Lüttwitz-Putsch und das Verhal-ten des Militärs ist der Generalstreik. Der Bankier Siegfried Aufhäuser (1884-1969), SPD Mitglied und seit 1912 gewerkschaftlich organisiert, und der Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes Carl Le-gien (1861-1920) rufen am Nachmittag des 13. März 1920 gemeinsam zum Generalstreik gegen den Kapp-Putsch auf und organisierten ihn: „Die deutsche Republik ist in Gefahr!“ 12 Millionen Menschen folgen diesem Aufruf verschiedener Organisationen. Der Generalstreik trug mit zur Niederschlagung des Kapp-Putsches bei und endet am 22. März 1920.


Gerhard Colm schrieb rückblickend dazu:
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# Die Streiklage im März 1920 im Spiegel der Hamborner Volkszeitung

Letzte Nachrichten. Die Selbsthilfe des Westens

hf d 04Essen, 16. März 1920. Die Arbeitsgemeinschaft für den Ruhrkohlenbergbau verurteilt entschieden die gewaltsamen Regierungs- und Verfassungsänderungen und die Vorgänge in Berlin. Durch diese Vorgänge ist der Ruhrkohlenbezirk mit seinen industriellen Nachbargebieten in eine äußerst gefährliche Lage ge-kommen, da er bei dem ausgebrochenen Generalstreik von den Lebensmittelproduktionsgebieten abge-schnitten werden kann. In dieser Notlage zur Errettung der Bevölkerung vor der unmittelbar bevorste-henden Hungersnot und der Sicherung eines in Zukunft aufnahme- und produktions- ....

Zur Streiklage

hf d 05Essen, 18. März 1920. Es wird weiter gemeldet, daß in der gestrigen Frühschicht die Belegschaften von 20 Schachtanlagen wird wieder voll eingefahren sind. Insgesamt wurde auf 27 Schachtanlagen wieder voll gearbeitet. Die Zahl der Ausständischen ist von 83,32 Prozent der Gesamtbelegschaften in der Früh-schicht am Dienstag auf 71 Prozent in der gestrigen Frühschicht zurückgegangen. Von verschiedenen Sei-ten wird gemeldet, daß die Belegschaftsversammlungen beschlossen heute die Arbeit wieder aufzu-nehmen.

 

 

# Die Arbeiter im Ruhrgebiet nach dem Generalstreik

Der Streik im Ruhrgebiet führte über kurzfristige Siege der Roten Ruhrarmee in einen Bürgerkrieg. Mit militärischen Mitteln stellte am Ende die Reichswehr im Auftrag der Reichsregierung die Ordnung im Ruhrgebiet wieder her. Die politische Antwort darauf gab die Bevölkerung in den Reichstagswahlen im Juni 1920. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahl_1920.

# Die Reichswehr

Reichswehr war während der Weimarer Republik der offizielle Name der deutschen Streitkräfte, organisiert als Berufsarmee. Aufgrund der Bedingungen des Versailler Vertrages von 1919 unterlagen Umfang und Bewaffnung der Reichswehr starken Beschränkungen. In der Weimarer Zeit finden sich die Begriffe Reichswehr, Schwarze Reichswehr und Weiße Reichswehr.

Bereits einen Tag nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compiègne am 11. November 1918 begann der Rückzug des Militärs von der Westfront. Am 17. Januar 1919 waren auch die linksrheinischen Gebiete frei von deutschem Militär. Nun mussten die Verbände der „Alten Armee“, sie zählten noch mehrere Millionen Soldaten, abgerüstet werden. Der Rat der Volksbeauftragten und die Oberste Heeresleitung beabsichtigten, nach der Demobilisierung noch bestehende Truppenteile in ein Friedensheer zu überführen. Die Weimarer Nationalversammlung beschloss am 6. März 1919 das Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr und ermächtigte den Reichspräsidenten, „das bestehende Heer aufzulösen und eine vorläufige Reichswehr zu bilden, die bis zur Schaffung der neuen reichsgesetzlich zu ordnenden Wehrmacht die Reichsgrenzen schützt, den Anordnungen der Reichsregierung Geltung verschafft und die Ruhe und Ordnung im Innern aufrechterhält.“ Die Stärke dieses Heeres sollte 400.000 Mann betragen, die Stärke der Marine sollte 20.000 Mann.

Vom 1. Oktober 1919 bis zum 1. April 1920 wurden die Streitkräfte der sogenannten Vorläufigen Reichswehr in das 200.000 Mann starke „Übergangsheer“ überführt. Gleichzeitig entfielen die bisherigen Verbände und Dienststellen der alten Armee. Über den Zwischenschritt von 150.000 Mann im Oktober 1920 wurde bis 1. Januar 1921 die endgültige Heeresstärke von 100.000 Mann erreicht, zum 1. Januar 1921 wurde die Reichswehr gebildet.

Als Schwarze Reichswehr bezeichnete man illegale paramilitärische Formationen zur Zeit der Weimarer Republik, die unter Bruch des Versailler Friedensvertrages von 1919 von der offiziellen deutschen Reichswehr gefördert und zum Teil selbst unterhalten wurden. Als Weiße bezeichnete man seit 1917 die Gegner der Bolschewiki und ihrer Verbündeten im russischen Bürgerkrieg.

 

Innenpolitischer Einsatz ohne politische Führung – das Handeln des General von Watter

Die Reichsregierung unter Ebert/SPD beauftragte die Reichswehr im Inneren Ordnung zu schaffen, doch es fehlte die politische Kontrolle durch einen Fachminister. Dieses Mandat gab dem Militär, das vormals die Stütze des Kaiserreichs war, die Rolle eines Akteurs in der Innenpolitik. Die Reichswehr agierte als Staat im Staate, und ihre Führung wurde zu einem wichtigen politischen Machtfaktor innerhalb der Weimarer Republik. Teils unterstützte die Reichswehr die demokratische Staatsform, teils mit der Schwarzen Reichswehr antidemokratische Kräfte.

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Die Abbildung stammt aus F.W. von Oertzen, Die deutschen Freikorps 1918-1923. München 1939

Einer der Akteure war General von Watter. Feldmarschall Hindenburg ernannte als eine seiner letzten Amtshandlungen General von Watter zum leitenden Militärkommandeur in Münster (VII. Armeekorps). Die Ernennung beruhte auf seinen bisherigen militärischen Erfolgen. In seiner neuen Funktion übernahm dieser Ende März 1919 auch das Oberkommando über alle westfälischen Freikorps. Im Zuge der Umbildung der alten Armee zur Reichswehr wurde von Watter am 1. Oktober 1919 Kommandeur der Reichswehr-Brigade 7 in Münster und zugleich des neugebildeten Wehrkreises VI in Münster. Quelle: Wikipedia vom 12.1.2020

Von Watter konnte zu Jahresbeginn 1920 bis zu seiner Ablösung im April 1920 sehr selbständig mit seinen Truppen und den paramilitärischen Verbänden (Freikorps) handeln, um Ordnung in seinem Sinne wiederherzustellen. Er war der Kommandeur des Wehrbereichskommandos 6 / Münster und damit zuständig für das Ruhrgebiet.
Bereits im Januar 1920 kam es im Ruhrgebiet wieder zu Notverordnungen mit Ausgangssperren. Die Ablösung von Bürgerwehren und die Übernahme der örtlichen Kommandogewalt durch das Militär wurde möglich, wenn es zu "Schwächen" wie z.B. Plünderei kam. Von Watter nahm keine klare Position zum Kapp-Putsch ein. Seine Freikorps-Führer waren eindeutig auf der Seite von Kapp-Lüttwitz. Letztere waren in Dinslaken im Einsatz.

 

 


# Die Rote Ruhrarmee

Die Rote Ruhrarmee bildete sich aus regionalen linken Arbeitern , die sich gegen rechtsextremistische Putschisten verbündeten. Zügig hatten sich etwa 50.000 Arbeiter zusammengeschlossen. Als Armee kämpften sie im Ruhrgebiet im März 1920 um den völkisch-nationalistischen Kapp-Putsch zu beenden. Danach weiteten sie ihre politischen Forderungen aus. Es entstand ein bewaffneter Kampf gegen die reaktionären und republikfeindlichen Freikorps und andere Reichswehrtruppen, für den es verschiedene Begriffe gibt, unter anderem Aufstand an der Ruhr, Märzunruhen oder Märzkämpfe.

Die Kämpfer werden als Rotgardist oder Rote bezeichnet, sie waren nicht uniformiert und lediglich an der Roten Armbinde zu erkennen. Es beteiligten sich viele Frauen, sie waren im Tross oder bei den Sanitätern tätig.

Warum Frauen mit ihren Männern gingen und halfen

Im Buch „Ruhrkampf 1920. Die vergessene Revolution“ (Essen 1990) findet sich im Kapitel „Die roten Krankenschwestern in der Roten Armee“ Folgendes: „Angesicht der Lage vieler Arbeiterinnen und Frauen im damaligem Ruhrgebiet nimmt es eigentlich nicht wunder, dass viele Frauen sich nicht zurückhalten ließen, an den Kämpfen teilzunehmen. Als das Wenige, was die Arbeiterinnen und Arbeiter bis dahin erreicht hatten, auch noch auf dem Spiel stand, muss für viele das Maß dermaßen voll gewesen sein, dass sie, sofern sie nicht Kinder zu versorgen hatten, ohne lange zu überlegen zusammen mit den Männern, Freunden, Brüdern oder gemeinsam mit anderen Frauen zur Roten Armee gingen. Ihren Platz fanden sie selbst als Sanitäterinnen.“
Mehr zum Thema finden Sie in Sequenz 12 und im Handlungsfeld F.

Die Rote Ruhr Armee wurde widersprüchlich wahrgenommen, sowohl lobend als auch herabsetzend wurde sie beschrieben. Eine ausführliche Wiedergabe zahlreicher auf Zeitzeugeninterviews beruhender Beschreibungen findet sich bei Gerhard Colm (1921), auf den sich später viele in den Details stützen. Hans Manfred Bock (1969), der in seiner Dissertation die politischen Strömungen in Parteien und in den Gewerkschaften untersuchte und dies nach über 30 Jahren (2001) online stellte.

Die Motivation der Kämpfer der RRA - Mehr als nur „eine Messerspitze Ideal sind nötig, damit die großen Umwandlungen gelingen“ (Zitat Kropotkin)

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Die Abbildung stammt aus F.W. von Oertzen, Die deutschen Freikorps 1918-1923. München 1939

Hans Manfred Bock bestätigt in seiner 1969 erschienenen Arbeit „Die ‚Rote Armee‘ der Ruhr-Arbeiterschaft im Anschluss an den Kapp-Putsch März/April 1920“ Gerhard Colms frühe Studie:
"Vergleicht man die ... Grundsätze der Syndikalisten mit der ganzen Ruhrbewegung, so sieht man einerseits, wie durchtränkt die ganze Bewegung, teils bewußt, teils unbewußt, mit syndikalistischen Ideen und Methoden ist, zum anderen sieht man. wie die vielen Mitglieder der "Freien Arbeiter-Union" durch ihre Teilnahme an der "Roten Armee' wesentliche Grundsätze mißachtet haben." Nach Colm heißt das jedoch nicht, „… daß fast die Hälfte der Kämpfenden zielbewußt und unter einheitlicher Führung ein von der FAUD entworfenes Revolutionsprogramm zu verwirklichen suchte … das heißt vielmehr, daß dieselben aktivistischen oder auch bloß erregbaren Arbeiter, die auf Grund ihrer enttäuschten sozialrevolutionären oder auch nur sozialen Forderungen bereits aus Entrüstungsopposition aus den alten Verbänden ausgetreten waren und sich der FAU angeschlossen hatten, nun auch - allenfalls mit einigen Losungen der Syndikalisten ausgestattet - diejenigen waren, die sich in den bewaffneten Kampf stürzten und am längsten in ihm ausharrten - wie am Verhalten der Mülheimer Befehlszentrale erkennbar ist. ... Diese Neu-Syndikalisten, die häufig auch gleichzeitig noch der USPD oder der KPD angehörten, engagierten sich in der "Roten Armee" ungeachtet der Haltung der ideologischen Wortführer der FAUD in Berlin, die dieses Engagement prinzipiell ablehnten.“

 

Colm geht weiter auf die Motive der Arbeiterbataillone ein: „Die Motive, die für die Kämpfer der RRA ausschlaggebend waren, bestanden zunächst als das weitaus wichtigste in dem Hass auf die sich erneut als reaktionär erweisende Reichswehr, in Verbindung mit der Erkenntnis, dass diese das bedeutendste Hemmnis sei für die Fortführung der sozialen Revolution. Ohne diesen vom tiefen Gefühl des Rechts und der Notwendigkeit begleitenden Motive wäre der gewaltige Aufschwung der Bewegung nicht denkbar geworden.“ Es ist mehr als nur „eine Messerspitze Ideal nötig, damit die großen Umwandlungen gelingen“, wie Peter Kropotkin (1842-1921) in seinem Buch aus dem Jahr 1909 „Die Französischen Revolution 1789-1793“ (Berlin 1979) meint.

In späteren Phasen traten die sachlichen Motive hinter den „Selbstischen“ zurück: „Es waren einmal später andere Menschen in den Reihen der Kämpfenden … und auch andere Verhältnisse, die den Zusammenbruch verursachten, … auch einen Gesinnungsumschwung. Wodurch dieser Umschlag zu erklären ist, wird erst bei der Darstellung des Zusammenbruchs ersichtlich werden“.

Zum Thema Führung schrieb Colm: Die Führung erkannte zunehmend die Notwendigkeit einer militärischen Zentralisierung im westlichen Gebiet. Aber es waren drei Zentren entstanden, die auch eine Eigenschwere bekommen hatten und in denen verschiedene politischen Strömungen tonangebend waren (USPD in Westfalen, KPD und Syndikalisten im Rheinland). Mülheim war radikaler als Hagen. Dies verhinderte letztendlich, dass eine Zentrale zur Gesamtleitung aufsteigen konnte und auch politisch anerkannt wurde. Und wurde zum Schwachpunkt mit Konsequenzen.

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Hans Spethmann, über „Zwölf Jahre Ruhrbergbau“ arbeitend, veröffentlichte 1930 in Berlin sein Buch „Die Rote Armee an Rhein und Ruhr. Aus den Kapp-Tagen 1920“ und stellt sich darin gegen die Kommunisten. Sein Buch wurde an Schulen kostenlos abgegeben und ist in der Aufmachung einem Abenteuerroman ähnlich gestaltet (im Stadtarchiv Dinslaken verfügbar).

 


# Notstand, Ausnahmezustand, Standgericht, Kriegsgericht – das Verhalten des Militärs im Januar 1920

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Im Januar 1920 hatte die Reichsregierung in der Region Ruhrgebiet den Sachverhalt eines Notstandes festgestellt. Durch Veröffentlichung tritt die Notverordnung gemäß Verfassung Artikel 48/2 in Kraft. Ausführungsvorschriften ergänzten der zuständige Minister sowie die ausführende Regionalbehörde. Dies sind der Reichswehrminister Noske und der Kommandierende General von Watter.

Am 17. Januar 1920 erließ General von Watter, militärischer Befehlshaber für das Ruhrgebiet (Teil des Regierungsbezirks Düsseldorf), folgende Zusätze für notwendige Maßnahmen:

Zusatz 1: Die Verwendung des Militärs zur Unterdrückung der inneren Unruhen…. geschieht nach meinen Befehlen.
Zusatz 3: Der unbefugte Besitz von Waffen und Munition ... wird bestraft.;
Zusatz 4: (1) Gem. § 4 der VO des RP vom 11.Jan wird bestraft, wer Gegenstände… zum Betrieb… wichtiger Unternehmen … beschädigt oder dazu auffordert, ...wer eigenmächtig eingreift, oder … wer dazu auffordert. (2) Wer Personen (der Ordnungskräfte und ihre Familienangehörigen) aus Anlass der Zugehörigkeit… durch Wort Schrift oder Handlungen bedroht. … oder ihr Fortkommen behindert ...oder dazu auffordert (inkl. Familienangehörigen) …wird bestraft; …
Zusatz 8 und 9: Ein außerordentliches Kriegsgericht wird eingerichtet, Standgerichte sind zu bilden.“

Es folgen die Ausführungsvorschriften für Wesel und Hamborn:

 

Verordnung

hf e 0516. Januar 1920. Bestellung eines außerordentlichen Kriegsgerichts in Wesel

 

Bekanntmachung. Der Oberbefehlshaber Hamborn

hf e 0617. Januar 1920. Bestellung eines verschärften Ausnahmezustands mit Standgericht für Hamborn. Der erlassene „Verschärfte Ausnahmezustand“ erlaubte dem militärischen Oberbefehlshaber für Hamborn ein Standgericht einzusetzen. Versammlungen jeglicher Art waren ab sofort verboten, doch die abendliche Aufenthaltsbeschränkung wurde aufgehoben. Grundlage war die Verordnung der Reichsregierung vom 13. Januar 1920.

 


# Führende Militärs und der Kapp-Putsch

hf e 07hf e 08Da Teile der Verbände des Generals von Watter sich offen zum Putsch bekannten, forderte Reichskommissar Severing ihn zur Klarstellung auf. Unmittelbar nach Ende des Kapp-Putschs erklärt dieser deshalb öffentlich seine Sicht zu Ordnung und Sicherheit: „Ich bin mir voll bewusst, dass es in der jetzigen Lage darauf ankommt, als Soldat dem Auftrag entsprechend zu handeln, der mir im Frühjahr vorigen Jahres vom Reichswehrminister gegeben wurde, und der für mich auch heute noch gilt. Ich schütze die Verfassung mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln und wirke auf schnellste Beendigung der Krise hin.“

Die Antwort zeigte eben nicht, wie er zu Kapp stand.

Auch Feldmarshall von Hindenburg bezog sich am 18. März nur darauf, das zwei Regierungen „in einem geregelten Staatswesen“ nicht möglich sind und weiter: „Ich hoffe aber, …daß das Offizierskorps und die Mannschaften … sich geschlossen hinter ihre Führer stellen.“

Bei beiden Personen kollidierte die persönlichen Haltung aus Erziehung und bisherigem Werdegang mit dem Auftrag der Reichswehr zur Sicherung des neuen Staates.

Die leitenden Beamten in Berlin dagegen stellten sich loyal zum Reichspräsidenten und zur Verfassung.

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Quelle: „Freikorps - Ziele und Kampfverlauf 1918-20“ in: Nationalzeitung 9.Jg. Nr. 304 vom Sonntag , 4. November 1934

Ein dritter General gibt ein weiteres Beispiel dafür, wie notwendig es ist, das Militär in der jungen Weimarer Republik einer kritischen Würdigung zu unterziehen. General von Seeckt machte als Nachfolger des Reichswehrministers Noske nach dessen Entlassung am 28. März 1920 mit der bisherigen Politik der Militärs weiter. Dazu gehört auch, die Brigade Erhardt (eine wichtige Stütze des Kapp-Putsches) nicht zu entlassen, entgegen der Verfügung Noskes von Ende Februar 1920. Die Brigade Erhardt war bereit zum Kampf gegen den Bolschewismus, deshalb wurde sie der Heeresleitung unterstellt, deren Kommandeur General von Seeckt war.

1934 äußert sich General von Watter zu seiner Sicht auf die Rote Ruhrarmee und seine Aufgabe im Jahr 1920: „Mit aufrichtigem Dank erfüllt mich, dass der Aufschwung durch die neue Regierung endlich Gelegenheit gibt rückhaltlos ein wahres Bild zu geben ...“. Der Artikel enthält seine persönliche Unterschrift.

 

 
#Eine gezielte Pressenachricht öffnet die Tür zum Bürgerkrieg

Pressearbeit der Reichswehr

Zur Presselandschaft um 1920 ist wichtig zu wissen, dass es über 2000 Zeitungen gab, die oftmals parteinah agierten oder von den Parteien herausgegeben wurden. Um eine Ausgabe zu realisieren, wurden von Nachrichtenagenturen Nachrichten dazugekauft, oftmals als Matern (direkte Druckvorlage). Eine Analyse von 16 Tageszeitungen für den Zeitraum Mitte März bis Mitte April 1920 zeigt, dass Reichswehr und Nachrichtenagenturen (WTB, TU) die Tageszeitungen informiert haben. Artikel wurde nach wenigen Tagen von der örtlichen Presse zum Teil wörtlich übernommen.


Mit folgender Meldung wird erstmals die Rote Ruhrarmee als Organisation der lokalen Räteregierungen im Industriegebiet in der HVZ erwähnt. Bisher wurde von Rotgardisten und Arbeiterbataillonen gesprochen:

Ein Aufruf des Militärbefehlshabers

hf e 10Münster, 18. März 1920. Das östliche Ruhrgebiet ist in der Hand der Räteregierung. Diese zieht wehrpflichtige Personen zur Bildung der Roten Ruhrarmee ein. Um diesen Aufstand im östlichen Industriegebiet zu unterdrücken, müssen die Reichswehrtruppen aller Waffengattungen durch Zeitfreiwillige unterstützt werden. Wer sich zu diesem Zweck zur Verfügung stellt, soll sich in der Kaserne melden.

 


# Das Selbstbild der Reichswehr am Beispiel Leutnant Glettenbergs

Wie das Regiment 62 den Häuserkampf erlebte, wird in der Darstellung des Leutnants Glettenberg als Bericht zu den Märzunruhen bis zur Rückkehr der Reichswehr ins Ruhrgebiet ab 1. April ausführlich, aber auch stark persönlich gefärbt dargestellt. Glettenberg kann als typischer Vertreter des Militärs in den 1920er Jahren angesehen werden. Der komplette Text kann unter folgendem Link aufgerufen werden:

http://dfg-viewer.de/show/cache.off?tx_dlf%5Bpage%5D=37&tx_dlf%5Bid%5D=http%3A%2F%2Fwww2.duisburg.de%2Fdigitalisate%2Fstadtarchiv%2F51%2F51_0069%2Fmets.xml&tx_dlf%5Bdouble%5D=0&cHash=b5518fae2cb90c8abbc2c9da3dc76136

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Zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein, 1900 - 1920

Ungestüm begann nach der Jahrhundertwende das Kohle- und Stahl-Zeitalter für Dinslaken. Es kamen Menschen hierher, deren Anschauungen, Werte und Überzeugungen die der Einheimischen verstörten. In dieser Zeit des Umbruchs brachte der Erste Weltkrieg erneut einen erheblichen Wandel. Zwar fand der Krieg nicht auf deutschem Boden statt, aber die physischen und psychischen Schäden in Deutschland waren dennoch immens und unübersehbar. Dazu kam noch die Schmach des Versailler Friedensvertrages mit der alleinigen Schuldzuweisung an Deutschland. Die Forderung der Alliierten, den ehemaligen deutschen Kaiser Wilhelm II. auszuliefern, berührte vor allem konservative Dinslakener Bürger. Hatte sich ihre Stadt doch unlängst mit einem Kaiserdenkmal vor der St. Vincentius Kirche geschmückt.

Das Leben am Niederrhein / 1900 - 1920

Die Forderung nach einer Auslieferung des ehemaligen Kaisers aus dem Exil berührte auch die Dinslakener Bürger: sie waren traditionell konservativ gesonnen und hingen an Kaiser Wilhelm. Nicht zuletzt schmückte sich Dinslaken seit den 1890-er Jahren mit einem Kaiserdenkmal vor der St. Vincentius Kirche.

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